Konflikt
Nordkorea droht dem Rest der Welt

Nordkorea will bei einer eventuellen Strafe durch die Vereinten Nationen für seinen weltweit verurteilten Atomtests weitere Maßnahmen zur „Selbstverteidigung“ ergreifen. Das Land verschärft mit dieser Drohung seine militante Haltung gegen den Rest der Welt – und testete offenbar erneut eine Kurzstreckenrakete.

HB SEOUL. Für den Fall, dass der Uno-Sicherheitsrat Strafmaßnahmen beschließe, werde Nordkorea weitere Maßnahmen einleiten, erklärte das Außenministerium in Pjöngjang nach einer Meldung der amtlichen Nachrichtenagentur KCNA. Kurz darauf meldete die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap den Abschuss einer nordkoreanischen Kurzstreckenrakete.

Ein Vertreter der Regierung in Seoul bestätigte den Test. Die Rakete sei vom Stützpunkt Musudan-Ni abgefeuert worden. Yonhap berichtete unter Berufung auf südkoreanische Regierungskreise, es habe sich um eine neuartige Boden-Luft-Rakete mit einer Reichweite von etwa 260 Kilometern gehandelt. Seit seinem Atomwaffentest am vergangenen Montag hat das nordkoreanische Militär damit bereits sechs sogenannte Raketentests durchgeführt.

Nordkorea bezeichnete die jüngsten Maßnahmen als Reaktion auf die Kritik des Sicherheitsrats am Test einer Langstreckenrakete am 5. April. Die kommunistische Regierung erklärte nun laut KCNA: „Falls der Uno-Sicherheitsrat eine weitere Provokation macht, sind weitere Selbstverteidigungsmaßnahmen für uns unvermeidlich“. Die unterirdische Atomexplosion war als Selbstverteidigung bezeichnet worden. „Unsere Geduld ist begrenzt.“

Nordkorea reklamierte in der Erklärung ein Recht auf Atomwaffentests und bezeichnete die Sicherheitsratsmitglieder als „Heuchler“. „Der von unserer Nation durchgeführte Atomtest ist der 2.054 auf der Erde. Die fünf ständigen Mitglieder haben 99,99 Prozent dieser Atomtests ausgeführt.“

Der amerikanische Heereschef General George Casey sagte zu den nordkoreanischen Drohgebärden, die USA könnten nötigenfalls durchaus einen konventionellen Krieg gegen Nordkorea führen. In Südkorea sind derzeit rund 28.500 US-Soldaten stationiert, weitere 50.000 in Japan. Das nordkoreanische Militär soll 1,2 Millionen Mann stark sein. US-Verteidigungsminister Robert Gates war am Freitag bei einer Reise nach Singapur dagegen bemüht, die Sache tiefer zu hängen: „Ich denke nicht, dass irgendjemand in der (US-) Regierung denkt, es gäbe eine Krise.“

Allerdings hat Nordkorea in dieser Woche auch das Waffenstillstandsabkommen von 1953 aufgekündigt - in Abwesenheit eines Friedensabkommen befinden sich Nord- und Südkorea immer noch formell im Krieg. Beobachter vermuten, dass Nordkorea Gebietsansprüche im Gelben Meer durchsetzen will - die Waffenstillstandslinie in dem Seegebiet hat Pjöngjang immer kritisiert. Chinesische Krabbenfischer verließen am Freitag in großer Zahl die Fanggebiete vor der nordkoreanischen Westküste, in denen es 1999 und 2002 tödliche Zusammenstöße gegeben hat.

Yonhap meldete, rund ein dutzend Schiffe hätten den Hafen Yeonpyeong verlassen, der der Grenze am nächsten liegt. Von den 280 chinesischen Schiffen zu Beginn der Woche seien jetzt noch rund 140 in der Region – in der Hochsaison des Krabbenfangs.

Bei den Vereinten Nationen in New York kamen die Beratungen über eine Verschärfung der Sanktionen gegen Nordkorea nur schleppend voran. Russland teilte mit, die ständigen Mitglieder mit Vetorecht seien sich darüber einig, was in der Resolution drin stehen sollte, es sei aber „kompliziert“, die einzelnen Element zusammenzufügen. Eine Liste mit Vorschlägen wurde den fünf Veto-Mächten – China, Frankreich, Großbritannien, Russland und USA – sowie den in der Region direkt betroffenen Staaten Japan und Südkorea zugeleitet, hieß es. Uno-Diplomaten sagten, ein Resolutionsentwurf sei nicht vor kommender Woche zu erwarten.

Der innerkoreanische Verkehr schien am Freitag trotz der harschen Töne aus Pjöngjang normal, meldete Yonhap. Mehr als 340 südkoreanische Arbeitskräfte seien zur Arbeit in einem gemeinsamen Industriekomplex im Norden gefahren.

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