Konflikt
Russland veranstaltet Treibjagd auf Georgier

Im Konflikt mit dem südlichen Nachbarstaat Georgien gebärdet sich die russische Regierung immer feindseliger: Dutzende Bürger des Landes, die bei Razzien vor allem in Moskau aufgegriffen worden waren, sind kurzerhand ausgewiesen worden. Die Treibjagd könnte Georgiens Wirtschaft empfindlich treffen.

HB MOSKAU. Von einem Militärflughafen bei Moskau aus wurden die Menschen in ihre Heimat ausgeflogen. „Es ist furchtbar“, sagte eine Georgierin per Handy vom Flughafen aus. Die russische Nachrichtenagentur Interfax berichtete, 143 Georgier seien deportiert worden. Sie wurden Georgien zufolge am Nachmittag in Tiflis erwartet.

Ein Vertreter der Moskauer Schulbehörde sagte, die Polizei habe um Unterstützung bei der Suche nach georgischen Kindern mit möglicherweise illegal eingereisten Eltern gebeten. Diesem Anliegen sei aber nicht nachgekommen worden, sagte Alexander Garwilow, Vize-Chef der Schulbehörde, einem Moskauer Radiosender.

Russlands Präsident Wladimir Putin hatte zuvor angeordnet, die Kontrollen illegaler Einwanderer zu verstärken. In Russland leben und arbeiten bis zu einer Million Georgier, viele von ihnen ohne Erlaubnis. Ihre Geld-Überweisungen in die Heimat sind ein beträchtlicher Beitrag zur Wirtschaft Georgiens, das unter einer hohen Arbeitslosigkeit leidet. In Georgien leben rund fünf Millionen Menschen.

Zwischen Russland und Georgien war es jüngst verstärkt zu Spannungen gekommen, nachdem Georgien vier russische Offiziere unter Spionageverdacht vorübergehend festgenommen hatte. Russland kappte die Transport- und Postverbindungen zum kleineren Nachbarn im Süden. Zuletzt hatte Russland die Ausgabe von Arbeits- und Aufenthaltsgenehmigungen für Georgier gestoppt und Geschäfte in georgischem Besitz geschlossen. Georgiens Präsident Michail Saakaschwili warf Russland daraufhin vor, Fremdenhass zu schüren.

Rückenwind bekam Saakaschwili am Freitag vom vorläufigen Ergebnis der Kommunalwahlen, bei denen seine Nationalistische Bewegung in der Hauptstadt Tiflis mit 66 Prozent in Führung ging. Es war der erste Stimmungstest, nachdem Saakaschwili die Konfrontation mit dem mächtigen Nachbarn Russland verschärft hatte. Endgültige Ergebnisse wurden am Freitagabend erwartet.

Bereits seit der Machtübernahme des pro-westlichen Präsidenten im Jahr 2003 hatten sich die Beziehungen der früheren Sowjetrepublik Georgien zur ehemaligen Sowjet-Führungsmacht Russland zusehends verschlechtert. Diplomaten fürchten, dass die jüngste Krise zu Kämpfen in Abchasien und Südossetien führt. Die beiden Regionen hatten sich bereits Anfang der 90er Jahre von Georgien gelöst und streben eine engere Anbindung an Russland an.

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