Konflikt schwelt seit Oktober
Nordkorea lehnt US-Gesandten als Gesprächspartner ab

Nordkorea hat am Sonntag die Bereitschaft zu Gesprächen über sein Atomprogramm bekräftigt, US-Unterhändler John Bolton aber als Gesprächspartner abgelehnt. Bolton hatte das Leben in dem kommunistischen Land als „höllischen Albtraum“ bezeichnet und Staatschef Kim Jong Il einen tyrannischen Diktator genannt.

Reuters SEOUL. Erst am Samstag hatte Nordkorea mit einem Scheitern der geplanten Gespräche gedroht, sollten die USA den Streit vor den UNO-Sicherheitsrat bringen. Experten sagten, das Festhalten Nordkoreas an den Gesprächen unter Beteiligung Chinas, Japans, Russlands und Südkoreas zeige, dass das Land nur wenige andere Optionen habe. Der Konflikt schwelt seit Oktober, als Nordkorea nach US-Angaben einräumte, ein geheimes Programm zum Bau von Atomwaffen betrieben zu haben. Seitdem hat das Land internationale Inspektoren ausgewiesen, den Rücktritt vom Atomwaffensperrvertrag erklärt und einen stillgelegten Reaktor wieder in Betrieb genommen.

Ein Sprecher des nordkoreanischen Außenministeriums sagte einer Meldung der staatlichen Nachrichtenagentur KCNA zufolge, das Land halte an seiner Position fest. „Es gibt keine Änderung unserer Haltung zu den Sechs-Parteien-Gesprächen“, sagte der Sprecher. „Dazu gehören die bilateralen Gespräche zwischen der Demokratischen Volksrepublik Korea (Nordkorea) und den USA über eine friedliche Klärung der Atomfrage auf der koreanischen Halbinsel.“ In dem KCNA-Bericht wurden Bolton „politische Vulgarität und ein psychopathologischer Zustand“ attestiert. Nordkorea werde ihn nicht als Vertreter der USA akzeptieren, hieß es.

Der Nordkorea-Experte Yu Suk Ryul vom südkoreanischen Institut für Außenpolitik und nationale Sicherheit sagte: „Wenn die Sechs-Parteien-Gespräche nicht stattfinden, bleiben nur eine härtere Haltung der USA und der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen.“ Nordkorea hatte ursprünglich ausschließlich mit den USA verhandeln wollen, was die US-Regierung abgelehnt hatte. Am Samstag hatte Nordkorea erklärt, jede Bemühung der USA, den Streit um sein Atomprogramm vor den UNO-Sicherheitsrat zu bringen, werde die geplanten Gespräche platzen lassen und könnte zu einem Krieg führen.

Einem japanischen Zeitungsbericht zufolge erwägen die USA und Japan die Bildung eines multinationalen Inspektionsteams, das die vollständige Aufgabe des Atomprogrammes durch Nordkorea kontrollieren soll. Dieses Team solle unabhängig von der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) der UNO arbeiten, berichtete „Yomiuri Shimbun“ unter Berufung auf Regierungskreise in Japan und den USA. Die IAEA hatte den stillgelegten Reaktor in Nordkorea zuvor kontrolliert, ihre Inspektoren waren aber ausgewiesen worden.

Bei den ersten Parlamentswahlen seit mehr als fünf Jahren kandidierte Kim Jong Il nach Berichten staatlicher Medien für einen Sitz in der Obersten Volksversammlung, dem weitgehend einflusslosen Parlament. Kim hatte keinen Gegenkandidaten. Nach Meldungen der KCNA hatten bis zum frühen Nachmittag rund 96 % der Wähler ihre Stimme abgegeben.

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