Konflikt spitzt sich zu
Ägypten übt scharfe Kritik an Obamas Äußerungen

Ägypten hat mit großer Verärgerung auf Obamas Äußerungen zum brodelnden Konflikt reagiert. Seine Erklärungen seien nicht auf Fakten begründet und könnten gewalttätige Gruppen gar bestärken.
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Kairo/WashingtonDas Amt des ägyptischen Übergangspräsidenten hat die Äußerungen von US-Präsident Barack Obama zur Lage in dem nordafrikanischen Land scharf kritisiert. Ägypten habe es mit terroristischen Handlungen zu tun, die sich gegen Regierungsgebäude und lebenswichtige Einrichtung richteten. In der Erklärung des Büros von Übergangspräsident Adli Mansur hieß es in der Nacht zum Freitag weiter: „Die Präsidentschaft fürchtet, dass Erklärungen, die nicht auf korrekten Fakten basieren, gewalttätige bewaffnete Gruppen stärken und sie in ihrem Widerstand gegen Stabilität und den demokratischen Übergang bestärken könnten.“

Obama hatte erklärt, die USA verurteilten die Maßnahmen der Übergangsregierung und der Sicherheitskräfte scharf. Obama bedauerte die Gewalt gegen Zivilisten. Obama hatte zuvor die gewaltsame Räumung von Protestlagern durch das ägyptische Militär und die Übergangsregierung verurteilt, bei denen nach jüngsten Angaben mindestens 623 Menschen getötet und tausende verletzt wurden. "Wir verurteilen die Gewalt gegen Zivilisten." Es gebe ein Recht auf friedliche Demonstrationen. Die ägyptische Führung rief er auf, Grundrechte zu respektieren. Der über Kairo und weitere Provinzen verhängte Ausnahmezustand müsse aufgehoben werden. Es sei Zeit, einen Versöhnungsprozess zu beginnen.

Die USA sagten eine traditionelle gemeinsame Trainingseinheit beider Streitkräfte ab. Angesichts der Geschehnisse könnten die Vereinigten Staaten ihre Beziehung mit dem Land derzeit nicht wie gewohnt weiterführen, sagte Obama am Donnerstag von seinem Ferienort auf der Insel Martha's Vineyard im US-Staat Massachusetts aus.

Er habe seinen Nationalen Sicherheitsrat aufgefordert, zu ermitteln, ob weitere Konsequenzen notwendig seien. Ob dazu auch ein Einfrieren der milliardenschweren Militärhilfe gehört, sprach Obama nicht an. Die USA wollten weiterhin ein enger Partner Ägyptens bleiben, sagte er.

Das Trainingsmanöver „Bright Star“ mit Zehntausenden amerikanischen und ägyptischen Soldaten sowie Streitkräften anderer Länder findet normalerweise alle zwei Jahre statt.

Der UN-Sicherheitsrat rief unterdessen nach einer Sitzung in New York zum Ende der Gewalt in Ägypten auf. Alle Beteiligten seien zu maximaler Zurückhaltung aufgefordert, sagte die argentinische UN-Botschafterin Maria Cristina Perceval nach einer Sitzung der 15 Mitglieder des Rates.

Die USA hatten zudem ihre Aufforderung an US-Bürger erneuert, Ägypten wegen der Unruhen zu verlassen. Eine solche Aufforderung hatte es bereits im Juli gegeben.

Für Freitag rief die Muslimbrüderschaft Mursis zu erneuten Protesten auf. Die Militärregierung hat angekündigt, entschlossen gegen "Terrorakte" der Muslimbrüder vorzugehen. Es gebe einen kriminellen Plan, die Säulen des ägyptischen Staates zu zerstören. Dem Fernsehen zufolge gab das Innenministerium zudem bekannt, dass die Sicherheitskräfte scharfe Munition einsetzen würden, um Angriffe auf sie oder öffentliche Gebäude abzuwehren.

Die Regierung hatte am Mittwoch zwei Protestlager der Anhänger Mursis räumen lassen. Das Militär hatte den frei gewählten Präsidenten Anfang Juli nach Massenprotesten gestürzt. Ihm wird vorgeworfen, gemeinsam mit den Muslimbrüdern das Land islamistisch prägen zu wollen. Die Armee hat Wahlen und eine Rückkehr zur Demokratie in Aussicht gestellt.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Konflikt spitzt sich zu: Ägypten übt scharfe Kritik an Obamas Äußerungen"

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  • @Santos, nur allgemein : Es gibt Brandstifter und wer ein Feuer legt ist für den dadurch entstehenden Schaden verantwortlich und ersatzpflichtig.
    Im politischen Leben jedoch raubt der Schadenverursacher meistens den Geschädigten noch zusätzlich aus.

    Sie erwähnen die Pharaonen und dass ist in einem anderen Sinne durchaus passend zum Thema.
    Die Pharaonen verschafften einem Teil des Volkes Arbeits- und Verdienstmöglichkeiten u.a. durch den Bau von Kultobjekten. Ein anderer Volksteil versorgte den Markt und mit Abgaben die Eliten, den Klerus, die Beamten etc.
    Es ist somit ersichtlich, was den Ägyptern jetzt fehlt, nämlich Arbeit, um mit dem Verdienst sich etwas kaufen zu können.
    Es fehlt an Arbeit, an Verdienstmöglichkeiten und das war der Hauptgrund bei den Demonstrationen gegen Mursi und nicht der Umbau des Staates zu einem islamischen Staat.
    An Arbeit fehlt es sehr schnell, wenn der Staat spart und via Abgaben der Bürger Zielvorgaben nachzukommen versucht, um Schulden incl. Zinsen zahlen zu können.
    Mursi arbeitete mit dem IWF ausgezeichnet zusammen und das war ein Fehler. IWF = Krise, womit wir direkt bei einem der Brandstifter wären.

  • USA, the one and only *GLOBOCOP*

    Ägypten kann für die USA gar nicht interessant sein, weil weder Drogen angebaut werden, noch Erdöl zu holen ist.

  • @hafnersp, Gysi wird dann wahrscheinlich demnächst von den Medien am "rechten Rand der Politik" eingeordnet. (der rechte Flügel der LINKEN)
    Unsere Frühstücksdirektorin verinnerlicht sicherlich stets morgens beim Frühstück die Inhalte des Geheimvertrages von 1949 und die Befolgung dieser Vereinbarungen muss vorbidlich sein, weshalb sonst wurde der Dame von Präsident Obama eine Verdienstmedaille verliehen ???

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