Konflikte abseits der Flüchtlingskrise
Auf dem Balkan reißen alte Wunden auf

Zehntausende Flüchtlinge ziehen auf der Balkanroute gen Europa – belasten die Staaten von Mazedonien bis Serbien massiv. In Schatten der Flüchtlingskrise werden die anderen Krisenherde wieder brandgefährlich.

Skopje/PristinaOb in der Kosovo-Hauptstadt Pristina oder in Podgorica in Montenegro: Auf den Straßen herrschte in diesen Tagen Chaos. Demonstranten und Polizei lieferten sich Straßenschlachten. Brennende Autoreifen, Schockgranaten, Tränengas und Molotowcocktails inklusive.

Ein wenig weiter im Süden sind auch die allerletzten Fristen der EU für Mazedonien schon längst ausgelaufen. Dem EU- und NATO-Kandidaten droht Brüssel mit internationaler Isolation nach dem Vorbild Weißrusslands, weil seine tief verfeindeten Politiker nicht zu Kompromissen fähig sind.

Trotz des vielen Geldes und der vermittelnden Experten aus Brüssel blieb der EU in der vergangenen Woche nicht viel mehr übrig, als sich besorgt und enttäuscht zu zeigen. Die Union findet offensichtlich kein (Druck-) Mittel, die gegeneinander kämpfenden Politiker in den drei Ländern zur Zusammenarbeit und damit zur Lösung ihrer Konflikte zu bringen. Die enttäuschte Bevölkerung wandert ab. Erst im letzten Frühjahr hatten sich Zehntausende Kosovo-Albaner und immerhin ein ganzes Prozent der Bevölkerung Montenegros auf den Weg nach Deutschland gemacht.

Im Kosovo geht es wie schon seit fast zwei Jahrzehnten darum, wie die serbische Minderheit in den fast nur noch von Albanern bewohnten Staat integriert werden kann. Die EU hatte nach jahrelangem Bemühen ein Abkommen vermittelt, mit dem die Minderheit mit schätzungsweise nur noch 70.000 Menschen weitgehende Autonomierechte erhält.

Die albanische Opposition sieht darin die Teilung des Landes und verlangt ultimativ von der Regierung, dieses Abkommen rückgängig zu machen. Schon dreimal in einem Monat haben Oppositionsabgeordnete die Volksvertretung mit Tränengas im Plenarsaal lahmgelegt.

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„Unantastbarer“ Premier Serbiens soll stürzen

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