Konflikte
Fast 100 Tote am Wochenende im Irak

35 Iraker sind am Sonntag auf einem Markt in der Bagdader Schiiten-Vorstadt Sadr-City getötet worden, als sich ein Selbstmordattentäter mit seinem Kleinbus in die Luft sprengte.

dpa BAGDAD. Gewaltspirale im Irak dreht sich blutig weiter. Bei Anschlägen und Kämpfen starben am Wochenende mindestens 92 Menschen, an die 200 wurden verletzt. Der durch einen Hungerstreik geschwächte frühere Machthaber Saddam Hussein wurde unterdessen in ein Krankenhaus gebracht.

Auf einem belebten Gemüsemarkt in der Bagdader Schiiten-Vorstadt Sadr-City tötete ein Selbstmordattentäter am Sonntag 35 Iraker, als er sich mit seinem Kleinbus in die Luft sprengte. Mindestens 75 Menschen erlitten Verletzungen, wie ein Sprecher des irakischen Innenministeriums mitteilte. Das Fahrzeug war mit 50 bis 75 Kilo Sprengstoff beladen. Eine per Fernzündung detonierte Autobombe raffte wenig später in der nordirakischen Stadt Kirkuk 23 Menschen hinweg. 103 Iraker wurden verletzt. Die 600 Kilo Sprengstoff, die in einem geparkten Fahrzeug versteckt waren, explodierten vor dem Gerichtsgebäude der Stadt.

Bei einem Gefecht in Mussajib, 60 Kilometer südlich von Bagdad, wurden am Samstag 15 Aufständische und ein irakischer Soldat getötet. Wie das US-Militärkommando in Bagdad mitteilte, hatten die Rebellen eine US-Patrouille mit Panzerfäusten und Gewehren angegriffen. Es kam zu einem dreistündigen Feuergefecht, in den auch eine irakische Armee-Einheit eingriff, um ein Gebetshaus zu stürmen, in dem sich Aufständische verschanzt hatten. In der Nähe der nordirakischen Großstadt Mossul tötete das irakische Militär am selben Tag drei Aufständische, die einen Armeekonvoi beschossen hatten.

In Bagdad kamen am Samstag bei zwei separaten Zwischenfällen zwei US-Soldaten ums Leben. Der eine wurde bei einer Patrouillenfahrt durch einen Sprengsatz getötet, der andere von Aufständischen aus dem Hinterhalt erschossen, gab das US-Militärkommando bekannt.

In der Nacht zum Samstag kamen in der Nähe von Falludscha, 70 Kilometer westlich von Bagdad, fünf irakische Polizisten ums Leben, als sich ein Selbstmordattentäter vor ihrer Wache mit seinem Wagen in die Luft sprengte.

Zur Behandlung des vom Hungerstreik geschwächten Saddam stehe ein ganzes Team von Ärzten bereit, hieß es in dem CNN-Bericht. Gegen Saddam und sieben weitere Mitangeklagte läuft seit Oktober 2005 ein Prozess, in dem diese sich wegen der Hinrichtung von 148 Schiiten im Jahr 1982 verantworten müssen. Der Ex-Diktator und drei weitere Angeklagte verweigern nach Angaben ihrer Verteidiger seit dem 7. Juli die Nahrungsaufnahme. Sie wollen damit einen besseren Schutz für ihre von Anschlägen bedrohten Anwälte erreichen. Drei von ihnen wurden bereits ermordet. Das immer wieder unterbrochene Verfahren soll an diesem Montag fortgesetzt werden.

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