Konflikte
USA liefern keine Gefangenen mehr an Irak aus

Das amerikanische Militär will wegen befürchteter Misshandlungen in irakischen Gefängnissen Häftlinge vorerst nicht an irakische Behörden überstellen.

dpa WASHINGTON/LONDON. Das amerikanische Militär will wegen befürchteter Misshandlungen in irakischen Gefängnissen Häftlinge vorerst nicht an irakische Behörden überstellen.

„Wir übergeben Einrichtungen und Gefangene erst, wenn (die Iraker) die Normen einhalten, die wir definiert haben und selbst anwenden“, zitierte die „New York Times“ den für die US-Gefängnisse im Irak zuständigen Kommandeur, Generalmajor John Gardner, am Sonntag. Aus Protest gegen die Bedingungen in einem von den Briten betriebenen Gefängnis im Irak sind mehrere Häftlinge in einen Hungerstreik getreten.

Das US-Militär hält im Irak nach dem Bericht der „New York Times“ rund 14 500 als gewalttätig eingestufte Gefangene fest. Drei der größten von den USA betriebenen Gefängnisse seien völlig überfüllt. Zur Bewachung seien 3 700 US-Soldaten abkommandiert, was einer der 17 dort stationierten Brigaden entspreche. Nach Informationen der Zeitung sollen alle Einrichtungen bis Ende 2006 an die irakischen Behörden übergeben werden.

Amerikanische Militärs hatten bei der Inspektion irakischer Gefängnisse vor kurzem schwer misshandelte Menschen entdeckt. Im berüchtigten Abu Ghoreib-Gefängnis hatten auch amerikanische Soldaten irakische Gefangene misshandelt und erniedrigt. Mehrere US-Soldaten wurden deshalb zu Haftstrafen verurteilt. „Abu Ghoreib war kriminell und ich war entsetzt“, zitiert die Zeitung Gardner, der die Aufsicht über die US-Gefängnisse im Irak Ende November übernahm. „Seitdem hat sich viel geändert.“

In dem unter britischer Aufsicht stehenden, südlich von Basra gelegenen Gefängnis Schaiba werden Gefangene nach Angaben von Familienangehörigen zum Teil geschlagen und Angriffen bissiger Hunde ausgesetzt. Wie die Zeitung „The Guardian“ am Samstag berichtete. Eine Bestätigung für solche Misshandlungen gebe es jedoch nicht. Angehörige, die keine Besuchserlabnis bekamen, hätten die Zufahrtstraßen blockiert. Die Häftlinge in Schaiba sollen an „terroristischen Aktivitäten“ in dem von den Briten kontrollierten Gebiet beteiligt gewesen sein.

Ein Militärsprecher bestätigte dem „Guardian“, dass es Unruhen und Hungerstreiks gegeben habe. Die britischen Soldaten seien mitunter gezwungen, „ein Minimum an Gewalt“ anzuwenden, um Sicherheit und Ordnung“ zu gewährleisten, sagte Major Peter Cripps. Menschenrechte würden jedoch nicht verletzt. Das Gefängnis werde regelmäßig vom Roten Kreuz inspiziert.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%