Konfliktstrategie
China will in Korea vermitteln

Während Pjöngjang neue Raketen aufstellt und der Süden ein Seemanöver abhält, setzt Peking auf Diplomatie. Die südkoreanische Führung in Seoul steht Gesprächen mit den kommunistischen Nachbarn aber skeptisch gegenüber. Investoren sind verunsichert.
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TOKIO/PEKING. Nach dem nordkoreanischen Militärschlag gegen eine südkoreanische Insel sind alle Seiten um Entspannung bemüht - mit Ausnahme Nordkoreas. Während moderate Töne aus den USA, China und Südkorea zu hören waren, ließ Pjöngjang neue Raketen an der Grenze zum Nachbarn aufbauen. Zu weiteren Feuergefechten kam es aber nicht, obwohl die USA und Südkorea gestern ein bereits länger geplantes Seemanöver in der Regionen begonnen haben. Die Wirtschaft ist dennoch verunsichert: Investoren flüchteten aus der Landeswährung Won und verkauften koreanische Staatsanleihen. Der Won fiel am Freitag um fast zwei Prozent im Vergleich zum Dollar - der stärkste Rückgang seit fünf Monaten.

Die nordkoreanische Artillerie hatte am vergangenen Dienstag die südkoreanische Insel Yeonpyeong beschossen, dabei waren vier Menschen getötet worden. Südkorea erwiderte das Feuer. Es war einer der schwerwiegendsten Zwischenfälle seit dem Ende des Korea-Kriegs 1953. Chinas Führung, einer der engsten Verbündeten des kommunistischen Regimes in Pjöngjang, schlug gestern Krisengespräche im Rahmen der Sechs-Parteien-Runde vor, die in der Vergangenheit schon über Nordkoreas Atomprogramm verhandelt hatte. Die Chefunterhändler der beiden Koreas, der USA, Chinas, Japans und Russlands sollten Anfang Dezember in Peking zusammenkommen, sagte der Sondergesandte Wu Dawei.

In Südkorea wurde dieser Vorschlag jedoch skeptisch aufgenommen. Man werde ihn "äußerst umsichtig prüfen", verlautete aus dem Umfeld von Präsident Lee Myung Bak, der gestern in Seoul den chinesischen Staatsrat Dai Bingguo traf. Lee bat China, eine "verantwortungsbewusste und faire" Haltung einzunehmen. China hat bisher stets seine schützende Hand über Nordkoreas Diktator Kim Jong Il gehalten.

Die Skepsis Seouls hat sicher auch damit zu tun, dass Nordkorea weiter aufrüstet. So habe das Nachbarland als Reaktion auf das amerikanisch-südkoreanische Manöver weitere Raketen nahe der umstrittenen Seegrenze an der Westküste aufgestellt, berichtete die nationale südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap. Pjöngjang drohte erneut mit weiteren Militärschlägen, sollte die Seegrenze verletzt werden.

In Seoul soll Staatsrat Dai Präsident Lee zumindest zugesichert haben, dass sich China um eine Entspannung der Lage in Korea bemühen wolle. Wie die amtliche chinesische Nachrichtenagentur Xinhua berichtete, wird der Vorsitzende der Obersten Volksversammlung, des Parlaments in Nordkorea, Choe Tae Bok, am Dienstag nach China reisen. Zuvor hatte China auch mit Blick auf das Manöver Südkoreas mit den US-Streitkräften verlauten lassen, dass man keine unabgesprochenen Aktionen in seiner "exklusiven Wirtschaftszone" zulassen werden.

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