Konfrontationen Wo Russland und die USA schon militärisch aufeinandergetroffen sind

In Syrien besteht die Gefahr eines Stellvertreterkriegs zwischen Russland und den USA. Es wäre bei weitem nicht die erste Konfrontation der Großmächte.
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Ein US-Soldat hält Stellung in Manbidsch in der Provinz Aleppo in Nord-Syrien. Quelle: AP
Militärische Konfrontation

Ein US-Soldat hält Stellung in Manbidsch in der Provinz Aleppo in Nord-Syrien.

(Foto: AP)

Washington/DüsseldorfDie Spannungen zwischen den Vereinigten Staaten und Russland nehmen weiter zu. Tagelang hatte Moskau die Amerikaner und ihre Verbündeten davor gewarnt, in Syrien militärisch aktiv zu werden. In der Nacht zum Samstag nahmen Koalitionstruppen trotzdem drei Ziele in dem Nahost-Land ins Visier. Sie zerstörten eigenen Angaben zufolge ein Forschungslabor des syrischen Chemiewaffenprogramms sowie zwei Depots. Russland reagierte verärgert. Dies werde „Konsequenzen“ haben, teilte die russische Regierung mit.

Eine weitere Eskalation ist damit nicht ausgeschlossen. Da half es auch nicht, dass General James Dunford, Vorsitzender des Generalstabs der US-Streitkräfte, sich alle Mühe gab, die Russen nach dem Luftschlag zu beruhigen. Man habe die Ziele bewusst so ausgewählt, dass russische Truppen in Syrien möglichst nicht betroffen sein würden, teilte er eine Stunde nach dem Angriff im Pentagon mit.

Trotzdem: Die Gefahr einer direkten militärischen Konfrontation der beiden Großmächte ist derzeit größer als jemals zuvor in den vergangenen Jahren.

Es wäre nicht das erste Mal, dass russische und amerikanische Soldaten direkt aufeinandertreffen. Insbesondere in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhundert, während des Kalten Kriegs, richteten amerikanische und sowjetische Militärs immer wieder die Waffen aufeinander. BBC Russia zählte allein in den Jahren zwischen von 1950 bis 1983 mindestens 40 Fälle, in denen Kampfflugzeuge beider Supermächte in der Luft aufeinandertrafen.

Mal ging es glimpflich aus wie am 31. Oktober 1958, als ein US-Militärjet von sowjetischen Kampfflugzeugen über dem Schwarzen Meer angegriffen wurde, es jedoch keine Verletzten gab. Oft genug gingen die Zusammenstöße jedoch tödlich aus, wenn die Piloten in fremden Luftraum eindrangen und ihre Maschinen von der Gegenseite abgeschossen wurden.

Besonders brenzlig wurde die Situation Ende Oktober 1962. Damals standen die beiden Großmächte so kurz vor einem direkten militärischen Konflikt wie nie zuvor. Die Krise um die Stationierung sowjetischer Atomraketen auf Kuba drohte die Welt in einen Nuklearkrieg zu stürzen.

Immer wieder drohte in diesen Tagen die Eskalation. Die Amerikaner verhängten eine Blockade um die Karibikinsel, russische Transporter hielten dennoch lange Kurs. Erst im letzten Moment erzielten die USA und Sowjetunion eine Einigung. Die Russen stimmten zu, die Waffen aus Kuba zu entfernen. Im Gegenzug bauten die Amerikaner später eine Raketenbasis in der Türkei ab.

Zu kleineren Zusammenstößen kam es auch später immer wieder. Nicht selten kosteten sie einen oder mehrere Beteiligte das Leben. Als letztes Opfer des Kalten Krieges gilt der Amerikaner Arthur Nicholson. Der Major und Mitarbeiter des militärischen Geheimdienstes wurde am 24. März 1985 bei einem Einsatz in der DDR von einem sowjetischen Wachposten erschossen. Es war das bislang letzte Mal, dass ein US-Soldat von einem russischen Soldaten getötet wurde.

Deutlich höher fielen die Verluste auf beiden Seiten in den Stellvertreterkriegen aus, die sie während des Kalten Kriegs führten. Allein im Korea-Krieg starben mehr als 33.700 amerikanische Soldaten durch Feindeinwirkung. Im Vietnam kamen noch einmal fast 41.000 dazu. In beiden Konflikten hatte die Sowjetunion die Gegner der USA unterstützt.

Die Amerikaner revanchierten sich, indem sie nach der sowjetischen Invasion von Afghanistan im Jahr 1979 die Feinde der Russen aufrüsteten. Offiziellen Angaben zufolge kamen in dem Krieg rund 14.500 Sowjettruppen ums Leben.

Nach dem Ende des Kalten Krieges 1991 verbesserten sich die diplomatischen Beziehungen zwischen den Ländern. Trotzdem kamen immer wieder Spannungen auf, etwa nachdem die Nato unter US-Führung im Kosovo-Krieg 1999 Serbien bombardierte. Zu einer direkten Konfrontation der Länder kam es damals jedoch nicht.

Auch im Konflikt in der Ost-Ukraine trafen Washington und Moskau nicht direkt aufeinander. Die Annexion der Krim im Jahr 2014 führte jedoch zu schweren wirtschaftlichen Sanktionen gegen Russland – auch vonseiten der USA.

US-Präsident Donald Trump hat diese kürzlich noch verstärkt und neue Strafmaßnahmen gegen 24 Einzelpersonen und 15 Firmen verhängt, die insbesondere dem russischen Staatschef Wladimir Putin nahestehen. Die Maßnahmen seien nicht von einem einzelnen Ereignis ausgelöst worden, sagten US-Regierungsvertreter, sondern „gründen sich auf das wachsende Muster bösartiger Aktivitäten Russlands in der Welt“.

Die Spannungen steigen also auch anderswo. So direkt wie in Syrien stehen sich Russland und Amerika allerdings nirgends gegenüber. Denn Russland und die USA unterstützen sich gegenüberstehende Konfliktparteien: Putin steht auf der Seite des Machthabers Assad, die US-Truppen sind die Verbündeten der kurdisch Volksverteidigungseinheiten YPG, die einerseits gegen den IS kämpft, aber auch für föderale Autonomie in der Region oder einen eigenen Staat.

Im Februar dieses Jahres kam es nun zum ersten tödlichen Angriff zwischen den USA und Russland seit Jahrzehnten. In der syrischen Provinz Diar as-Saur griff die US-Luftwaffe eine Truppe aus syrischen Milizen und russischen Söldnern an, die wiederum eine Stellung der US-Verbündeten attackiert hatten. Unter den 100 Opfern befanden auch fünf russische Staatsbürger, gab das russische Außenministerium bekannt und betonte zugleich, dass es sich nicht um Soldaten handele.

Recherchen des „Spiegel“ meldete Zweifel an dieser Version an. Einig sind sich alle Beteiligten allerdings in einer Sache: Die Einschläge zwischen Russen und Amerikanern kommen derzeit wieder näher.

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