Kongo
Legionäre müssen Diplomaten retten

Nach der Bekanntgabe des Wahlergebnisses im Kongo ist es zu heftigen Kämpfen zwischen Anhängern von Präsident Joseph Kabila und dessen Herausforderer Jean-Pierre Bemba gekommen. Eine spanische Eliteeinheit rettete 150 Diplomaten aus einer umkämpften Villa, der Flughafen ist von Kabila-Getreuen besetzt worden.

HB KINSHASA. Begonnen hatten die Auseinandersetzungen am Montagabend: Gefolgsleute Kabilas griffen das Wohnhaus seines Widersachers Bemba im Gombe-Viertel der Hauptstadt Kinshasa an, in dem sich der ehemalige Rebellenführer gerade mit ranghohen ausländischen Diplomaten traf. 130 Soldaten der spanischen Legion brachten die Diplomaten zusammen mit 150 Soldaten der Uno-Friedenstruppe Monuc aus Uruguay in Sicherheit. Die spanische Legion ist aus der Fremdenlegion hervorgegangen; in ihren Reihen dienen auch Ausländer mit Spanisch als Muttersprache. Deutsche Eufor-Soldaten waren an dem Einsatz nicht beteiligt.

Uno-Sprecher Jean-Tobias Okala sagte, die Diplomaten - darunter der Uno-Sonderbeauftragte für den Kongo, William Swing - seien mit gepanzerten Fahrzeugen zum Hauptquartier der Vereinten Nationen im Kongo gebracht worden. Bembas Partei erklärte, Kabilas Leibwächter hätten das Wohnhaus beschossen. Bembas Sicherheitskräfte hätten zurückgeschossen, nachdem dessen Hubschrauber Feuer gefangen habe. Die kongolesische Militärführung forderte alle Soldaten in der Hauptstadt auf, in die Kasernen zurückzukehren und ihre Waffen niederzulegen.

Wenige Stunden zuvor waren die Ergebnisse der Präsidentenwahl vom 30. Juli bekannt gegeben worden, aus der keiner der 33 Kandidaten mit einer absoluten Mehrheit hervorging. Bemba sowie Präsident Joseph Kabila, die beide am besten abschnitten, werden sich daher Ende Oktober in einer Stichwahl gegenüberstehen. Bereits am Sonntag hatten sich Anhänger beider Lager vor dem Sitz der Wahlkommission in Kinshasa eine mehrstündige Schießerei geliefert. Dabei wurde laut Uno-Angaben mindestens ein Soldat aus dem Lager Bembas getötet.

Nach dem Feuergefecht an der Villa besetzten Kabila-Getreue in der Nacht zum Dienstag oder am Dienstagmorgen den Flughafen von Kinshasa. Nach einem Bericht des südafrikanischen Rundfunks waren in der Stadt am Morgen erneut Detonationen zu hören. Die belgische Fluggesellschaft SN Brussels Airlines strich wegen der Gefechte ihre Flüge von Brüssel nach Kinshasa.

Die Europäische Union hatte zur Sicherung der Wahl 2 000 Soldaten in das afrikanische Land geschickt, darunter mehr als 700 aus Deutschland. Die Uno-Truppe ist 17 000 Mann stark. Die Abstimmung war die erste freie Präsidentenwahl im Kongo seit mehr als 40 Jahren. Das rohstoffreiche Land von der Größe Westeuropas ist seit der Unabhängigkeit von Belgien im Jahr 1960 nicht zur Ruhe gekommen.

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