Kongo
Stichwahl ohne Stabilität

Am Sonntag findet im Kongo die Stichwahl zwischen Präsident Joseph Kabila und seinem Herausforderer Jean-Pierre Bemba statt. Ob die von deutschen Soldaten geschützte Wahl Frieden in das Krisengeschüttelte Land bringen wird, ist mehr als fraglich.

HB KINSHASA. Zwei Monate nach der ersten Runde der Präsidentenwahl im Kongo sind in der Hauptstadt Kinshasa noch immer die Spuren der Kämpfe zu sehen, die sich Anhänger der beiden Spitzenkandidaten anschließend lieferten. Am Sonntag gehen Amtsinhaber Joseph Kabila und sein Herausforderer Jean-Pierre Bemba nun in die Stichwahl. Die meisten Kongolesen sehnen sich nach Frieden und stabilen Verhältnissen. Die Chancen dafür hängen nicht zuletzt davon ab, ob das Lager des Wahlverlierers die Niederlage akzeptiert.

In der ersten Runde der unter anderem von deutschen Soldaten gesicherten Wahl am 30. Juli erhielt kein Kandidat die notwendige absolute Mehrheit. Der 35 Jahre alte Kabila kam auf 45 Prozent, der 44-jährige Bemba auf 20 Prozent. Der Ausgang der Abstimmung war seinerzeit von gewaltsamen Zusammenstößen gekennzeichnet. Drei Tage lang lieferten sich die Anhänger von Kabila und Bemba blutige Gefechte, denen nach amtlichen Angaben mindestens 23 Menschen zum Opfer fielen.

Seitdem haben die politischen Parteien versucht, sich wieder auf den Wahlkampf zu konzentrieren, und dabei Frieden und Wohlstand für die Bevölkerung versprochen. Doch noch immer patrouillieren die Leibwächter der beiden Kandidaten in den Straßen von Kinshasa. Rund 6000 Mann werden zum Lager Kabilas gerechnet, rund 1500 schützen Bemba. Sowohl ein von Bemba angefochtener Sieg des Favoriten Kabila als auch ein Überraschungssieg von Vizepräsident Bemba könnte neue Gewalt auslösen.

Dieser werde aufmerksam verfolgen, ob es zu etwaigen Unregelmäßigkeiten komme, erklärte Bembas Sprecher Moise Musangana. „Wenn die Wahl nicht transparent ist, haben sowohl wir als Politiker als auch die Bevölkerung einen Grund zu reagieren“, sagte Musangana. Bemba herrschte während des Bürgerkrieges über einen großen Teil Nordostkongos, unterstützt vom benachbarten Uganda. Er akzeptierte schließlich die Vereinbarung über die Bildung einer Übergangsregierung, die den Bürgerkrieg beendete. Der ehemalige Rebellenführer hat seine Machtbasis in seiner Heimatprovinz Äquator und in der Hauptstadt Kinshasa unter Anhängern Mobutus. Kabila hat seine größte Basis im Osten des Kongos. Sein Vater Laurent Kabila ergriff von dort aus mit der Hilfe ruandischer Soldaten die Macht und stürzte 1997 den seit 32 Jahren herrschenden Diktator Mobutu Sese Seko. Von 1998 bis 2002 folgte jedoch ein Bürgerkrieg. Laurent Kabila wurde 2001 von einem seiner Leibwächter ermordet, woraufhin sein Sohn Joseph die Führung übernahm und einen Frieden mit den Rebellen aushandelte. Seitdem stand Joseph Kabila einer Übergangsregierung vor, in der Bemba den Posten eines von vier Vizepräsidenten einnahm. Bei der Stichwahl wird Kabila von zwei unterlegenen Kandidaten aus der ersten Wahlrunde unterstützt.

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