Kongo
Wählen gegen die Dämonen

Erstmals seit 40 Jahren können die Kongolesen frei wählen: Am Sonntagmorgen öffneten für die ersten der 25 Millionen Menschen die Wahllokale. Fast drei Dutzend Kandidaten bewerben sich um die Präsidentschaft - Favorit ist jedoch der Mann, der sie bereits innehat.

HB KINSHASA. Die Wähler können zwischen 32 Kandidaten für das Präsidentenamt und 9 700 Anwärtern auf einen Sitz im Parlament entscheiden. Vor der Eröffnung der Wahllokale herrschte gespannte Ruhe. In den vergangenen Tagen war es immer wieder zu Ausschreitungen gekommen, bei denen mehrere Menschen starben. Ausländische Truppen - darunter auch Soldaten der Bundeswehr - sollen die Wahl sichern. Mit ihr soll ein Schlussstrich gezogen werden unter den Bürgerkrieg von 1998 bis 2003, in dessen Folge rund vier Millionen Menschen starben.

Den Auftakt machten am Morgen die Wahllokale im Osten der ehemaligen belgischen Kolonie, der Westen ist Teil einer anderen Zeitzone. In der Stadt Bunia reihten sich etwa 300 Einwohner in die Schlange vor dem Wahllokal ein, das von drei weißen Fahrzeugen der Vereinten Nationen (UN) geschützt wurde. „Ich bin sehr aufgeregt, wählen zu können“, sagte ein 34-jähriger Mann. „Aber ich kann Ihnen nicht sagen, für wen ich stimme, denn das ist mein Geheimnis.“ Schulen, Kirchen und Zelte wurden in rund 50 000 Wahllokale umgewandelt. In vielen schwer zugänglichen Teilen des Landes mit der Größe Westeuropas mussten die Wahlzettel in Rucksäcken oder Kanus zu den Wahllokalen gebracht werden.

Präsident Joseph Kabila rief die Bevölkerung seines Landes auf, friedlich zur Wahl zu gehen. „Ich bitte Sie, in keiner Form den Dämonen des Hasses, der Erpressung und des Kuhhandels nachzugeben“, sagte er einige Stunden vor der Öffnung der Wahllokale. Die aus 53 Ländern bestehende Afrikanische Union rief die Kongolesen am Samstag ebenfalls auf, in großer Zahl zu den Urnen zu gehen.

Der 35-jährige Kabila gilt als Favorit. Er folgte in diesem Amt auf seinem Vater Laurent, der 2001 ermordet worden war. Sollte kein Kandidat in der ersten Runde mehr als die Hälfte der Stimmen erhalten, ist für Ende Oktober eine Stichwahl zwischen den beiden erfolgreichsten Kandidaten geplant. Die Behörden hoffen, dass sie bis Mitte September Ergebnisse der ersten Runde präsentieren können.

Für die UN ist dies der größte und komplexeste Einsatz dieser Art in ihrer Geschichte. Insgesamt hat sie 17 000 Soldaten in die Region entsandt. Dazu kommen weitere 2 000 aus Europa, darunter 780 aus Deutschland. Auch Zehntausende einheimische Sicherheitskräfte sind im Einsatz. Besonders im Osten bedrohen Rebellen und Milizen die Wahl. Die Bundeswehreinheiten sind im Westen in der Region der Hauptstadt Kinshasa stationiert.

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