Kongress-Rede
Obama geht aufs Ganze

Wer gedacht hatte, der neue US-Präsident Barack Obama werde angesichts täglich neuer Hiobsbotschaften und einem recht mühsamen Regierungsstart den Mut verlieren, der sah sich am Dienstagabend getäuscht: In seiner ersten Ansprache vor dem Kongress entwarf Obama das Bild einer grundlegend modernisierten USA.

WASHINGTON. In seiner rund einstündigen Rede vor beiden Häusern des Kongresses machte der 47-Jährige vielmehr klar, dass er seine vielen Reformpläne unverändert energisch umsetzen will. Obama will die USA gründlich verändern und erneuern. Und die tiefe ökonomische Krise dient für ihn als zentrales Argument, warum genau das so dringend nötig ist.

Wie schon so oft zuvor erklärte Obama vor Abgeordneten und Senatoren, wie die Notsituation entstanden ist, auf welche Weise ein Rad ins andere griff und am Ende einen ökonomischen Flächenbrand auslösen konnte. Seine zentrale Botschaft: Kein singuläres Ereignis war Schuld an der Misere, sondern viele Fehler, die am Ende so fatal zusammenwirkten.

Und so zahlreich die Ursachen für die Wirtschaftskrise, so zahlreich sind auch die Defizite des Landes: Die reichen von einer falschen oder fehlenden Energie- und Umweltpolitik, einer veralteten Gesundheitskonzeption bis hin zu den krassen Schwächen des amerikanischen Bildungssystems. Mit aller Deutlichkeit machte Obama auf die Konsequenzen aufmerksam, wenn die USA hier nicht aufholten: "Andere Länder werden uns aus dem Feld schlagen", sagte Obama. Und formulierte erneut ehrgeizige Ziele, wann die USA auf den einzelnen Gebieten den Anschluss wieder geschafft haben will.

Manche Skeptiker im Saal schüttelten da den Kopf, weil für sie die schlichte Zahl der Großprojekte einfach nicht zu schaffen ist. Doch so historisch einmalig in seiner Dimension das Konjunkturpaket, so einzigartig ist für Obama auch die Chance, dass der große Wurf gelingt: Wirtschaftliche Erneuerung und soziale Gerechtigkeit zugleich umzusetzen. Ein bisschen erinnerte die Botschaft des charismatischen Obama da an die Formeln "Jetzt oder nie" und "Sekt oder Selters". Und ein bisschen musste man fast die Luft anhalten, als Obama seine Ziele herunterdeklinierte.

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