12 Bewertungen ****
21.11.2008 
Staatshilfen

Kongress stellt US-Autobauern Ultimatum

Nach dem vorläufigen Scheitern der milliardenschweren Hilfspläne für die angeschlagene US-Autoindustrie hat der Kongress den größten drei Konzernen nun ein Ultimatum gestellt.

Solange die Autobauer keinen Plan vorlegten, könne auch kein Geld flüssiggemacht werden. Das meint die demokratische Präsidentin des Repräsentantenhauses Nancy Pelosi. Foto: ReutersLupe

Solange die Autobauer keinen Plan vorlegten, könne auch kein Geld flüssiggemacht werden. Das meint die demokratische Präsidentin des Repräsentantenhauses Nancy Pelosi. Foto: Reuters

HB WASHINGTON/RÜSSELSHEIM. Die Chefs von General Motors (GM), Ford und Chrysler erhielten bis Anfang Dezember eine Galgenfrist, um die Abgeordneten von der Notwendigkeit neuer Zuschüsse aus der Steuerkasse zu überzeugen. Dazu sollen sie nun eine Strategie über die Verwendung der verlangten Hilfen über 25 Milliarden Dollar vorlegen. Die deutsche GM-Tochter Opel sieht ihren Betrieb auch trotz der Probleme in den USA gesichert.

„Die traurige Wahrheit ist, dass niemand einen Vorschlag vorgelegt hat, der vom Senat und Repräsentantenhaus verabschiedet werden kann“, sagte der demokratische Mehrheitsführer im Senat, Harry Reid, am Donnerstagabend. Die Autokonzerne erhielten aber eine weitere Chance, wenn sie bis zum 2. Dezember darlegten, wie sie die geforderten Hilfen verwenden wollten. Der Vorschlag könne dann in der Woche vor dem 8. Dezember den Kongress passieren.

„Solange sie uns keinen Plan vorlegen, können wir kein Geld flüssigmachen“, betonte die demokratische Präsidentin des Repräsentantenhauses Nancy Pelosi. Die Branche müsse zeigen, wie sie auf Dauer überleben könne. „Es ist notwendig, Verantwortung zu zeigen und die Zukunftsfähigkeit unter Beweis zu stellen“, erklärte sie. Es gehe nicht um die Frage, wo das Geld hergenommen werden solle. „Wir können nur helfen, wenn die Hersteller bereit sind, sich selbst zu helfen“, betonte Reid. Sowohl GM als auch Ford zeigten sich kooperationsbereit. Zwei demokratische und zwei republikanische Senatoren hatten zuvor einen Kompromiss über das umstrittene Paket ausgehandelt, der aber so keine Zustimmung fand.

Experten halten es für möglich, dass mindestens einer der großen US-Autobauer demnächst Gläubigerschutz anmelden könnte. GM allein hat um einen Überbrückungskredit zwischen zehn und zwölf Milliarden Dollar gebeten. Das Unternehmen hat vor den katastrophalen Folgen für die US-Wirtschaft gewarnt, falls der Staat nicht aushilft. In den USA hängen mindestens zwei Millionen Jobs an der Autobranche.

Einige US-Politiker sind der Ansicht, dass es heilsam sein könne, wenn die Firmen Gläubigerschutz beantragen müssten. Nach US-Recht können sie ihre Geschäfte dann ohne Zugriff von Gläubigern fortführen. Zudem können sie leichter „teure“ Tarifverträge neu verhandeln, was nach Expertenansicht neben einer verfehlten Modellpolitik ein Hauptgrund für die Probleme der US-Autobauer ist. Skeptiker sagen indes, unter Gläubigerschutz würden die Konzerne wohl kaum noch neue Kredite bekommen, weil Banken ihre Vergabekriterien angesichts der Finanzkrise ohnehin schon verschärft haben.

Artikel bewerten:
  • 1 Stern
  • 2 Sterne
  • 3 Sterne
  • 4 Sterne
  • 5 Sterne
Anzeige

Weitere Beiträge aus dem Ressort

Anzeige

Blogkommentare zu diesem Artikel

Vorhersage Europa

weiterBildergalerien

zurück
  • 140 Tote bei schweren Unruhen in Ch...

    140 Tote bei schweren Unruhen in China

    Bei Ausschreitungen zwischen Sicherheitskräften und Angehörigen der uigurischen Minderheit sind im Nordwesten Chinas nach Behördenangaben mindestens 140 Menschen ums Leben gekommen und 828 weitere verletzt worden. Hunderte Demonstranten wurden festgenomme...Bildergalerie 

  • Was Obama und Medwedjew trennt

    Was Obama und Medwedjew trennt

    US-Präsident Barack Obama ist zu seinem Antrittsbesuch in Russland eingetroffen. Mit dem russischen Präsidenten Dmitrij Medwedjew möchte er über heikle Themen wie die Bürgerrechte in Russland oder die Nuklearpläne Irans sprechen. Die wichtigsten Streitfragen ...Bildergalerie 

  • Warum die Atomkraft schlechte Karte...

    Warum die Atomkraft schlechte Karten hat

    Über die Nutzung der Kernenergie zur Stromerzeugung in Deutschland wird seit langem heftig gestritten. Der erneute Störfall im Kernkraftwerk Krümmel hat die Debatte neu angeheizt. Dabei wurde im Atomkonsens längst der Atomausstieg beschlossen. Worüber gestrit...Bildergalerie 

vor

 

 

weiterGlobal Reporting

Hässliches Gesicht 

03.07.2009Global Reporting

Die Bluttat von München schockiert die Schweiz. „Mordversuch“, „Schläger ohne Reue“, „Empörung über Schweizer Schläger in München“, titeln die Zeitungen. Blog


weiterMadagaskar

Live-Blog China: Uiguren testen Peking 

06.07.2009, 09:24 UhrMadagaskar

Proteste der Uiguren in Chinas westlichster Provinz haben zu einem Blutbad geführt. Unklar ist, ob es zu offenen Unruhen kommt, die Nachrichten werden von Peking massiv beeinflusst. Damit wird Xinjiang zur neuen Herausforderung für Twitter, Facebook & Co. Blog


Handelsblatt Marktplatz

Über 220 000 Seminare zu 120 Themen. Aktuell: Abendseminare mit Spitzen-Trainern. Weiter