Kongresswahlen in den USA
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In den USA haben die Wahlen zum Kongress begonnen. Um eine Mehrheit im Parlament zu erringen, überholen Amerikas Demokraten wenn es sein muss sogar die verhassten Republikaner rechts. Ein aufschlussreicher Besuch bei Senats-Kandidat Harold Ford Jr. in Tennessee.

MEMPHIS. Wenn in Memphis, Tennessee, ein Schwarzer starb und keine Freunde oder Verwandte hatte, wurde ein Bote zu N.J. Ford geschickt. Genauer gesagt zur Bestattungsfirma „N.J. Ford and Sons Funeral Home“. Zuverlässig und schnell brachte N.J. Ford sodann die Leiche unter die Erde. Und kassierte dafür Geld aus der Stadtkasse von Memphis.

Das war vor über 70 Jahren. Es war ein vorzügliches Geschäft für beide Seiten. N.J. Ford konnte seine große Familie ernähren. Und der weiße Bürgermeister und Strippenzieher von Memphis, Edmund Hull Crump, sicherte seiner demokratischen Partei schwarze Stimmen. Beide Familien bauten politisch-wirtschaftliche Apparate auf, die ihre Clans auf lange Sicht gut versorgten.

Die „Ford-Maschine“ funktioniert bis heute – mit Harold Ford Jr. an der Spitze. Nun will der 36-Jährige die nächste Etappe nehmen und Senator von Tennessee in Washington werden, indem er den Sitz erobert, der nach dem Abschied des republikanischen Mehrheitsführers im Senat, Bill Frist, frei wird. Schafft er es, wäre Ford der erste Schwarze aus einem US-Südstaat seit 136 Jahren, dem das gelänge. Anno 1870 saß Hiram Revels für Mississippi als Senator im Kapitol in der fernen, großen Hauptstadt.

Harold Ford ist nur einer von Hunderten Kandidaten der Demokratischen Partei, die bei den Kongresswahlen heute einen Sitz zu ergattern hoffen. Aber Fords Stil steht auch für den vieler seiner Mitstreiter: Um die Republikaner von Präsident George W. Bush aus dem Kongress zu verjagen, überholen sie die Konkurrenten sogar rechts. Holen die Demokraten im Repräsentantenhaus – und möglicherweise sogar im Senat – die Mehrheit, wäre ihre bunte Truppe politisch kaum zu führen.

Das Rennen um die Macht in Washington wird so verbissen geführt wie seit langem nicht mehr – auch und gerade in Tennessee. Harold Ford Jr. gibt alles: Geld, Zeit, Moral. Es geht so knapp zu, dass wohl die letzte Stimme ausgezählt sein muss, um zu wissen, wer am Ende vorne liegt – Ford oder Bob Corker, ein Baulöwe, der für die Republikaner antritt. Nach letzten Umfragen liegt Harold Ford nun wieder zurück, nachdem er lange führte.

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