Konjunktur
Frankreich senkt Wachstumsprognose

Schlechte Nachrichten für Frankreich: Die Regierung hat ihre Wachstumsprognose gesenkt – und rechnet mit einem höheren Haushaltsdefizit. Die Neuverschuldung wird die Vier-Prozent-Marke knacken, schätzen Experten.
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ParisFrankreich kappt seine Wachstumsprognose für 2014 und braucht deswegen länger, um das Haushaltsdefizit in den Griff zu bekommen. Die Wirtschaft werde im nächsten Jahr nur um voraussichtlich 0,9 Prozent wachsen, sagte Finanzminister Pierre Moscovici am Mittwoch. Noch im April hatte die Regierung ein Plus von 1,2 Prozent in Aussicht gestellt. Das Staatsdefizit wird nun auch im kommenden Jahr mit 3,6 Prozent über der Maastricht-Grenze von drei Prozent liegen. Eigentlich sollte es auf 2,9 Prozent sinken.

Vorerst sind keine Wachstumsimpulse in Sicht: Auch für 2013 erwartet die Regierung nur ein Mini-Wachstum von 0,1 Prozent. Das Defizit wird schätzungsweise bei 4,1 Prozent liegen, ebenfalls höher als gedacht. Die jüngsten Zahlen bestätigen, dass Frankreich die zwei Jahre Schonfrist wohl auch ausnutzen wird, welche die EU dem Land im Gegenzug für Reformen eingeräumt hatte. Die Wirtschaft des zweitgrößten Euro-Landes hat sich zuletzt zwar aus der Rezession befreit und im Frühjahr überraschend stark an Schwung gewonnen. Doch gerade die anhaltend hohe Arbeitslosigkeit ist eine große Belastung.

Auch das schuldengeplagte Portugal rechnet nicht damit, seine Sparziele zu schaffen, und dringt deswegen bei seinen internationalen Geldgebern auf eine Lockerung. Kommendes Jahr solle das Defizitziel auf 4,5 Prozent von derzeit vier Prozent angehoben werden, sagte der stellvertretende Ministerpräsident Paulo Portas.

Die Regierung in Lissabon und die Troika aus EU, Europäischer Zentralbank (EZB) und Internationalem Währungsfonds hätten unterschiedliche Standpunkte hinsichtlich des Defizits. Portas hatte vergangene Woche Gespräche mit den Geldgebern in Brüssel, Frankfurt und Washington geführt. Vom kommenden Montag an wollen die Experten der Troika die Reformfortschritte des Landes überprüfen.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Konjunktur: Frankreich senkt Wachstumsprognose"

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  • .. deine kriminellen christlich-demokratischen Ochsen aber auch nicht, Du Ober-Nase von Gottes Gnaden.

  • ja, ja, Europa ist wie ein Großbauprojekt (siehe Großflughafen o.ä.)! Am Anfang setzt man einen Kostenrahmen fest und hinterher wird nachjustiert...und je weiter das Projekt läuft (unabhängig davon ob man auch dem Ziel näher kommt)um so teurer wird es. Dann wird der Punkt des "no Return" erreicht und eine end-
    gültige Fertigstellung kann nur noch nebulös beantwortet werden...aber da wir nun schon mal sind wo wir sind, können wir nicht mehr kehrt machen. ...warum auch, erlaubt ist, was gefällt und urteilen mag niemand, weil er dann sein eigener Scharfrichter wäre...

  • Man stelle sich mal vor, die "Rettung" des Euros gelänge, und er würde wirklich eine starke Währung. Frankreich hat schon mit diesem lausigen Euro keine Chance in der Eurozone. Mit einem starken Euro hätten die meisten Probleme. Der Euro muss also zu einer Drittweltweichwährung verkommen, damit die Portugiesen, Italiener, Franzosen, Spanier, etc. mit Hilfe der deutschen (und anderen nordeuropäischen) Transfers in der Eurozone überleben können. Ein sozialistisches Währungsexperiment allergrößten Ausmaßes. Und der Brüderle trommelt weiterhin für den Euro und muß sich fragen, warum die liberalen Deutschen die FDP nicht mehr wählen wollen...

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