Konjunktur
Geldpolitischer Kurswechsel in Großbritannien

Die Führung der Bank von England sieht in einer alternativen, nicht mehr auf den Leitzins fixierten Geldpolitik offenbar ein erfolgversprechendes Mittel gegen Rezession und Finanzkrise. Die Notenbanker schlagen damit einen ähnlichen Weg ein wie die US-Notenbank Fed und die Bank von Japan.

HB LONDON. Das geldpolitische Komitee der Notenbank habe sich bei seiner jüngsten Sitzung einstimmig dafür ausgesprochen, die Regierung um Zustimmung für eine Geldpolitik der „quantitativen Lockerung“ - also eine Erhöhung der Geldmenge durch den Kauf von Staatsanleihen - zu bitten, teilte die BoE am Mittwoch in London mit.

Notenbank-Gouverneur Mervyn King habe bereits mit Finanzminister Alistair Darling über den beabsichtigten Kurswechsel gesprochen, sagte ein Sprecher der Zentralbank zu Reuters. Die Notenbank will Staatsanleihen (Gilts) aufkaufen, dadurch die Geldmenge erhöhen und den ins Stocken geratenen Kreditkreislauf wieder in Schwung zu bringen. Sie benötigt dafür die Erlaubnis der Regierung. Finanziert würden solche Maßnahmen durch die Notenpresse.

Die Bank von England (BoE) schlägt damit einen ähnlichen Weg ein wie die US-Notenbank Fed und die Bank von Japan. In beiden Ländern liegen die Leitzinsen nach rund eineinhalb Jahren Krise bei fast null Prozent und fallen damit als Waffe der Notenbank im Kampf gegen die Rezession praktisch aus. In Großbritannien liegt die sogenannte Bank Rate, also der Schlüsselzins für die Versorgung der Banken mit Zentralbankgeld, mittlerweile nur noch bei einem Prozent und damit so niedrig wie noch nie in der Geschichte der BoE. Analysten gehen davon aus, dass Notenbankchef King bei der nächsten Zinsentscheidung Anfang März alternative geldpolitische Maßnahmen ankündigen wird und auch der Leitzins nochmals gekappt werden könnte.

Die BoE hatte vergangene Woche bereits damit begonnen, Unternehmensanleihen und auch Commercial Papers aufzukaufen.Ziel der Maßnahmen ist die Entlastung der von der Krise hart getroffenen Branchen und Unternehmen. Weitgehend einig waren sich die britischen Notenbanker Anfang des Monats bei ihrer Entscheidung, den Leitzins auf ein Prozent zu reduzieren. Wie erwartet sprach sich lediglich ein Mitglied des geldpolitischen Komitees für einen noch deutlicheren Zinsschritt nach unten aus. Die Mehrheit der Notenbanker sei davor aber aus Sorge um die Profitabilität der Banken vor einem solchen Schritt zurückgeschreckt. Extrem niedrige Leitzinsen drücken auch die Kreditzinsen der Banken und wirken sich negativ auf die Margen der Kreditinstitute aus.

Am Kapitalmarkt sorgten die Aussagen der Notenbank für ein Kursfeuerwerk bei britischen Staatsanleihen. Dagegen fiel das britische Pfund am Devisenmarkt gegenüber dem Dollar auf den tiefsten Stand seit zwei Wochen. Auch am Aktienmarkt ging es abwärts.

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