Konjunktur
Iren bekommen Krise immer deutlicher zu spüren

Die Iren müssen sich wegen leerer Staatskassen auf eine weitere schmerzliche Sparrunde einstellen. Das hoch verschuldete Irland stimmte seine Bürger auf drastische Steuererhöhungen und Ausgabenkürzungen ein..

HB DUBLIN. „In den kommenden Monaten und Jahren werden wir die Leute bitten, die Belastung auf sich zu nehmen, mehr Opfer zu bringen“, sagte Ministerpräsident Brian Cowen in einer am späten Sonntagabend veröffentlichten Interneterklärung. Niemand werde sich der Herausforderung entziehen können.

Die Finanzkrise hat das langjährige Boomland Irland in die tiefste Rezession seit dem Zweiten Weltkrieg gestürzt. Nach Regierungsangaben droht Irland auch wegen der sinkenden Steuereinnahmen in diesem Jahr ein Defizit von 23 Mrd. Euro oder 12,75 Prozent der Wirtschaftsleistung. Eigentlich gilt in der Euro-Zone eine Obergrenze von drei Prozent.

Finanzminister Brian Lenihan wollte am späten Dienstagnachmittag einen Nachtragshaushalt vorlegen, bei dem noch einmal 3,5 Mrd. Euro eingespart werden sollen, wie irische Medien berichteten. Geplant sei ein Mix aus höheren Steuern und Ausgabenkürzungen. Die Haushaltspläne würden für niemanden leicht werden, aber sie seien fair, wurde Lenihan zitiert. Nach Angaben des Ministers wird Irland in diesem Jahr Steuereinnahmen von rund 33 Mrd. Euro erzielen, das sind eine Milliarde weniger als das Ministerium noch vor einer Woche angekündigt hatte.

Weil Irland das größte Defizit in Europa hat, muss die grüne Insel im Kampf gegen die Wirtschaftskrise einen anderen Weg als viele seiner europäischen Nachbarländer gehen, die mit milliardenschweren Ausgabenprogrammen oder Steuererleichterungen die Konjunktur wieder in Gang bringen wollen. Als erstes Land der EU war Irland bereits im vergangenen September offiziell in die Rezession gerutscht. Damit endete die Erfolgsgeschichte der Insel, die sich in den vergangenen Jahrzehnten auch dank EU-Unterstützung vom Armenhaus Europas zu einem Land mit florierender Wirtschaft aufgeschwungen hatte. Zu der Entwicklung zum „Keltischen Tiger“ hatten auch Investitionen internationaler Unternehmen beigetragen, die sich wegen günstiger Steuerbedingungen auf der Insel ansiedelten und neue Arbeitsplätze schufen.

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