Konjunktur: Japans Wirtschaft schrumpft wieder

Konjunktur
Japans Wirtschaft schrumpft wieder

Auf den Yen-Schock folgt die Konjunkturflaute: Nachdem die japanische Wirtschaft gewachsen war, sinkt das Bruttoinlandsprodukt nun. Die Wachstumsmotoren Konsum und Exporte stottern. Das liegt nicht zuletzt an China.

TokioLangsameres Wachstum in China, Flaute in mehreren Schwellenländern und Sorgen um die Weltwirtschaft – Japans Wirtschaftspolitik, „Abenomics“ genannt, kommt gegen diese Entwicklungen nicht an. Trotz hoher Staatsausgaben und einer Geldschwemme der Notenbank ist Japans Bruttoinlandsprodukt (BIP) im Weihnachtsquartal im Vergleich zum Vorquartal um 1,4 Prozent geschrumpft. Die schlechten Konjunkturzahlen kommen zu einem kritischen Zeitpunkt, da der Yen zuletzt in die Höhe geschossen war und Unruhe an den Märkten ausgelöst hatte.

Die BIP-Werte sind vorläufig und könnten nachträglich noch korrigiert werden. Sie waren leicht schlechter als von Experten vorausgesagt. Im Vorquartal betrug das Wirtschaftswachstum noch 1,3 Prozent.
Dabei ging es auf breiter Front bergab. Nicht nur der als Wachstumsmotor geltende Konsum sank, er lag unter dem schon niedrigen Wert des Vorjahres. Auch die Exporte waren rückläufig. Ein wichtiger Grund: Die Verlangsamung des Wachstums in China - einem der größten Exportmärkte Japans . Im Dezember schrumpfte zudem die Industrieproduktion. Ein Lichtblick war lediglich der Anstieg der Investitionen.

Die BIP-Zahlen wiesen auf „eine steigende Fragilität der Wirtschaft hin“, sagte Hiromichi Shirakawa, Volkswirt der Credit Suisse in Tokio. Es ist das zweite Quartal binnen eines Jahres, dass Japans Wirtschaft schrumpft.Zuletzt hatten auch Turbulenzen am Aktien- und Devisenmarkt die Sorge geschürt, dass Japans Wirtschaft an einem Wendepunkt steht.
Der Yen war in nur zwei Wochen um zeitweise acht Prozent auf 111 Yen zum US-Dollar in die Höhe geschossen. Der Nikkei-Aktienpreisdurchschnitt stürzte daraufhin seit Anfang des Monats bis Ende vergangener Woche zeitweise um 19 Prozent auf 14865 Yen ab. Denn ein Anstieg des Yen bedeutet weniger Gewinne für Japans Exportkonzerne. Sie haben sich auf einen US-Dollar-Yen-Kurs von 118 Yen eingestellt.

Die Kurse erholten sich am Montag zwar wieder. Aber es mehren sich die Stimmen, die ein Ende der Yen-Schwäche befürchten - damit eine Ende steigender Firmengewinne sowie der Hausse an der Börse.
Bisher waren viele Analysten davon ausgegangen, dass Japan sich auf einem stabilen, wenn auch langsamen, Wachstumspfad befindet. 2015 wuchs die Wirtschaft um 0,4 Prozent, obwohl eine Mehrwertsteuererhöhung im Jahr 2014 unerwartet lange die Konsumlaune belastete. Zudem schien die Bank von Japan mit ihrer überraschenden Einführung negativer Zinsen Ende Januar den Yen-Kurs stabilisieren zu können.

Japans neuer Wirtschaftsminister Nobuteru Ishihara betonte daher, dass Japans Wirtschaft trotz des volatilen Umfelds grundsätzlich solide und in einer Verfassung sei. Er machte den ungewöhnlich warmen Winter dafür mitverantwortlich, dass die Japaner weniger einkauften. Tatsächlich hilft auch der tiefe Fall des Ölpreises nicht nur beim Sparen, sondern senkt auch die Importe und erhöht damit den Leistungsbilanzüberschuss.
Doch mit dem rasanten Höhenflug der Landeswährung steigen auch die Erwartungen, dass die Regierung und die Notenbank es nicht bei einer Politik der ruhigen Hand belassen werden. „Die Wahrscheinlichkeit von Wechselkursinterventionen steigt“, meint Daiju Aoki, Volkswirt der UBS in Tokio. Noch ist allerdings die Frage, ob Japan sich dies leisten kann. Denn die meisten Ökonomen halten den Yen noch für unterbewertet.
Dass die Notenbank überdies die Zinsen schon bald weiter ins Minus senkt, gilt ebenfalls als immer wahrscheinlicher. Denn eine Senkung der Zinsen könnte den Yen ebenfalls schwächen. Am Freitag besuchte Notenbankchef Haruhiko Kuroda überraschend Regierungschef Abe. Es gibt inzwischen sogar Spekulationen, dass die Notenbank ihren geldpolitischen Ausschuss zu einer außerordentlichen Sitzung zusammentrommeln könnte.

Martin Kölling, Handelsblatt-Redakteur und Korrespondent in Tokio. Quelle: privat
Martin Kölling
Handelsblatt / Asien-Korrespondent
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