Konjunktur
Kanada kämpft sich aus der Krise

Der kanadische Arbeitsmarkt hat sich erholt. Mit einem moderaten Wirtschaftswachstum geht das Land ins neue Jahr. Die Bank of Canada sagt ein Plus von 2,3 Prozent voraus.
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OTTAWA. Analysten erwarten, dass die Währungshüter frühestens im April, möglicherweise gar erst zur Jahresmitte den Leitzins von jetzt einem Prozent anheben werden. Das könnte den kanadischen Dollar, der am Dienstagmorgen mit dem US-Dollar gleichzog und den „Greenback“ zeitweise sogar überflügelte, weiter stärken.

Der Internationale Währungsfonds (IWF) stellt jetzt fest, dass Kanada "die globale Rezession sehr gut überstanden hat", teils wegen der starken geld- und finanzpolitischen Anreize, aber auch wegen seiner Finanzinstitutionen, die "die Fähigkeit behielten, während der Erholung Kredite bereitzustellen". Der IWF erwartet aber eine Abschwächung der Erholung gegenüber der ersten Jahreshälfte und sieht in der Verschuldung der Privathaushalte und der US-Wirtschaft Risiken für Kanada.

Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) des Landes "bewegt sich im Schneckentempo", meint auch Avery Shenfeld, Chefökonom von CIBC World Markets (Canadian Imperial Bank of Commerce). Die Wirtschaft benötige weiter in hohem Maße stimulierende Zinsen. Doug Porter, stellvertretender Chefökonom von BMO Capital Markets (Bank of Montreal), glaubt, dass die US-Wirtschaft einen Gang zulegen muss, damit Kanadas Wirtschaftswachstum deutlich an Fahrt gewinnt.

Kanadas Volkswirtschaft war im ersten Quartal um 1,4 Prozent gegenüber dem Vorquartal (aufs Jahr hochgerechnet um 5,6 Prozent) gewachsen, in den beiden Folgequartalen dann aber deutlich langsamer. Die Bank of Canada rechnet für 2010 mit einem Wachstum von drei Prozent, nachdem sie im Sommer von 3,5 Prozent ausgegangen war. Die Prognose für 2011 wurde von 2,9 auf 2,3 Prozent gesenkt, für 2012 aber von 2,2 auf 2,6 Prozent erhöht. Kanadas Bundesregierung hatte Anfang 2009 ein 62 Milliarden kanadische Dollar umfassendes Programm zur Förderung der Konjunktur aufgelegt. Die Rezession vernichtete 400 000 Arbeitsplätze. Seit Mitte 2009 aber wurden etwa 440 000 Stellen geschaffen. Die Arbeitslosenquote sank von 8,7 Prozent im August 2009 auf jetzt 7,6 Prozent. Die Inlandsnachfrage wuchs seit dem Tiefpunkt der Krise doppelt so stark wie in den USA. Im ersten Halbjahr boomte der Immobilienmarkt.

Die Bank of Nova Scotia erwartet, dass der Privatkonsum im kommenden Jahr nicht mehr die führende Rolle beim Wachstum spielen wird. Hinzu kommt, dass das Konjunkturprogramm des Bundes ausläuft und der Bund auf einen Kurs der Haushaltskonsolidierung einschwenken wird. Finanzminister Jim Flaherty will das Etatdefizit von derzeit 55,6 Mrd. Dollar bis 2015 wieder beseitigen.

Kommentare zu " Konjunktur: Kanada kämpft sich aus der Krise"

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  • Kanada war bis zur Krise jahrzehntelang das einzige Land der G-8, das noch nie ein Defizit einfuhr. Doch selbst unser solides konservatives Land braucht noch bis 2015, bis das jetzt durch Arbeitslosenunterstützung entstandene Krisendefizit wieder restlos getilgt ist.

  • @Siggi40 Canada steht abgesehen von Norwegen sehr gut da und wie du vollkommen richtig anmerkst sind wir hier erst absolut vor den Ausbruch der Krise, wo die Lumpenelite ihr ganzes Versagen, herrumgelüge, nicht mehr unter den Teppich kehren können, trotzdem die Medien, gleichgeschaltet wurden,man der Erich auch ein schwerer Fall von Verdrängung, dann gleich den total verlust des Staates DDR, womit endet wohl die unheilige Allianz von Politik und Wirtschaft siehe Clement und sein Ding Zeitarbeit. denke der Zahltag für die super gefüllte Derivatebombe ist schon sichtbar. Unser super innenminister wird die nicht entschärfen können, die geht einfach nur hoch.

  • Kanada hat 62 Mrd. Dollar in ein Konjunkturpaket investiert. Davon träumen wir in DE. Allein die SachsenLb sitzt noch auf 64 Mrd. Euro absolut wertloser Papierschnipsel ihrer zahlreichen, nach irland ausgelagerten Zweckgesellschaften. Von den anderen Landesbankstern mal gar nicht zu reden. bei uns werden ja fast schon im Wochenrhythmus die Rettungspakete geschnürt, jedes mindestens 100 Mrd. schwer. Und die bankster haben erst einen bruchteil ihrer Risiken abgeschrieben, weil sie die bilanzen schon seit 2 Jahren nicht mehr aktualisiert haben.

    Kanada gehört zu den ganz wenigen Ländern, deren banken nicht im globalen Spielcasino mitgezockt haben. Und genau dies ist auch der Grund dafür, dass es Kanada, mein Traumland, tatsächlich aus der Rezession schaffen könnte.

    Doch der iWF verwechselt etwas, bzw. behauptet wider besserem Wissens, dass die globale Rezession überstanden wäre. Wir haben erst 5% der Krise hinter uns. Die richtige Krise haben wir erst noch vor uns. in den letzten 2 Jahren haben die Staaten weltweit ca. 30 bio. Dollar für Rettungs- und Konjunkturpakete ausgegeben, natürlich alles auf Pump, ohne einen selbsttragenden Aufschwung einzuleiten. Die Konjunkturstrohfeuer sind jetzt fast alle wirkungslos verpufft, dafür sind die Staaten pleite.

    Unsere derzeitige Situation in den westlichen industriestaaten, außer Kanada, Australien, Norwegen und Schweden, ist um ein Vielfaches schlimmer, als noch 2008, zu beginn der Krise.
    Wir sitzen jetzt auf gigantischen Schuldenbergen, die wir zu den bisherigen Schulden aufgetürmt haben. Ein selbsttragender Aufschwung ist ausgeblieben. Eigentlich logisch. Die Krise, die durch Konsum auf Pump ausgelöst wurde, hat man mit noch mehr Schulden lösen wollen. Wie töricht.

    Da 2011 fast alle Konjunkturstrohfeuerpakete auslaufen, dem Zugpferd China auch schon die Luft ausgeht, weil mehrere Hundert Milliarden Dollar in zig Geisterstädte investiert wurden, damit aber unseren „Aufschwung“ forciert hat, dürfte 2011 der Welthandel adäquat zu 2008 zusammenbrechen, wo 95% des Schifffahrtsverkehrs zum Erliegen kam.

    Kanada kämpft sich aus der Krise. Eines der rohstoffreichsten Länder dieses Planeten dürfte mit einem blauen Auge davonkommen. Jetzt benötigt Kanada die Zaunanlagen, die die USA an der Grenze zu Mexiko installiert hat. in weiser Voraussicht.

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