Konjunktur
Österreich hofft auf die schnelle Erholung

Wien kämpft gegen die Krise: Die Zahl der hohen Wachstumsraten ist zunächst einmal vorüber. Ob Österreich an seine alte wirtschaftliche Stärke anknüpfen kann, hängt von einer Erholung des Exports ab. Doch vor allem die Abhängigkeit von wirtschaftlichen Erfolgen in Osteuropa könnte dem Alpenland zusetzen.
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WIEN. Österreich ist verwöhnt. Drei Prozent Wirtschaftswachstum in jedem Jahr war zuletzt die übliche Rate – und damit lagen die Österreicher meistens immer einen Prozentpunkt höher als die großen deutschen Nachbarn. Doch die weltweite Krise sorgt in diesem Jahr auch erstmals wieder in Österreich dafür, dass die Wirtschaft nicht mehr wächst. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) wird gut drei Prozent schrumpfen, schätzt das Wiener Wirtschaftsforschungsinstitut Wifo.

Ein Jahr mit schrumpfender Wirtschaft sollte ein wohlhabendes Land wie Österreich ohne Probleme überstehen können. Die meisten Wirtschaftsforscher sind sich auch darin einig, dass die Volkswirtschaft der Alpenrepublik im kommenden Jahr wieder um mindestens ein Prozent wachsen wird. Viel spannender ist allerdings die Frage, ob Österreich auf längere Sicht wieder an seine gewohnten Wachstumsraten herankommen wird.

Dass die österreichische Volkswirtschaft wieder nachhaltig anspringt, wird sich nicht zwischen Bregenz und Wien entscheiden. Die Österreicher sind wie die Deutschen eine extrem exportorientierte Nation. Die weltweiten Einbrüche bei Investitionsgütern haben die Alpenrepublik ebenfalls ziemlich hart getroffen. Das kleine Land mit acht Millionen Einwohnern (zum Vergleich: Bayern hat zwölf Millionen) ist zudem weiterhin stark von Deutschland abhängig. Und der Tourismus, der etwa acht Prozent des BIP ausmacht, würde ohne ausländische Gäste nicht funktionieren.

Österreich hat sich in den vergangenen 20 Jahren in einem Punkt von der deutschen Wirtschaft abgekoppelt: mit seiner starken Neuausrichtung nach Osteuropa. Die kleine Alpenrepublik hat zunächst ihre Banken in die benachbarten osteuropäischen Länder vorausgeschickt, die Exporteure aus den klassischen Industriebranchen sind wenig später gefolgt. Die wirtschaftlichen Erfolge in Osteuropa waren in der Vergangenheit sicherlich den einen oder anderen Prozentpunkt Wachstum gut.

Doch jetzt ist Osteuropa zum Teil noch viel härter getroffen worden als die meisten westlichen Industrieländer. Die europäische Entwicklungsbank EBRD schätzt, dass die Wirtschaft beispielsweise in Rumänien in diesem Jahr um acht und in der Ukraine um 14 Prozent schrumpfen wird. Experten streiten nun, welche Auswirkungen das auf die wirtschaftliche Entwicklung Österreichs haben wird. Bernhard Felderer, Chef des Instituts für Höhere Studien (IHS), des zweiten großen Wirtschaftsforschungsinstituts in Österreich, gehört zu den Optimisten. „Osteuropa hat gute Chancen, schnell wieder aufzusteigen“, sagt der Wissenschaftler. Dafür sprächen allein der immer noch vorhandene Nachholbedarf im Vergleich zu Westeuropa und die extrem hohe Flexibilität der osteuropäischen Märkte; hinzu kämen die niedrigeren Lohnkosten.

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