Konjunkturanalyse
Wirtschaftsreformen im Wettlauf gegen die Zeit

Der Aufschwung der Vereinigten Arabischen Emirate gleicht einem Marsch durch die Wüste. Es geht beschwerlich die Dünen hinauf und hinab, und in der Wüstensonne glauben manche, eine Fata Morgana auszumachen, die sich schließlich doch als echte Oase erweist.

DUBAI. Noch geht es mit der Wirtschaft der Emirate bergauf. Doch das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts verlangsamte sich von einst fünf bis zwölf Prozent in Zeiten hoher Erdölpreise auf inzwischen ein bis zwei Prozent, belegen Zahlen der Zentralbank. Dagegen sank die Wirtschaftskraft pro Kopf in drei Jahren von 21 000 auf unter 19 000 $.



Der Widerspruch löst sich auf, wenn man den Einwohnerzuwachs hinzuzieht, der sich in den vergangenen Jahren von 6,9 auf 7,6% beschleunigt hat, so eine Bankenanalyse vom Frühjahr. Ende 2002 wurde die Einwohnerzahl der sieben Emirate auf 3,75 Millionen geschätzt, davon rund 80 % Ausländer und 20 % Emiratis. Heute dürften es schon vier Millionen sein. Und die Altersstruktur verheißt keine Wende: 60 % der Einheimischen sind jünger als 20 Jahre, stellte der Internationale Währungsfonds (IWF) fest. Zudem lockt das Land viele Gastarbeiter an, vor allem Inder, Pakistani und Bangladeshi, Syrer und Libanesen.

Das Lohnniveau von durchschnittlich 150 Dollar und Nebenleistungen, wie die vom Arbeitgeber bezahlte Wohnung, versprechen ihnen einen wesentlich höheren Lebensstandard als in den Elendsvierteln ihrer Heimat – materiell und ideell. Nicht nur, dass Einkommen steuerfrei sind. Vielmehr erlaubt die tolerante, fast kosmopolitische Ausprägung des Islam in den Emiraten jedem Einwohner, Kultur und Glauben zu entfalten, sofern er keinen Fundamentalismus predigt. Für die innere Sicherheit sorgt der mit 42 % größte Block der Staatsausgaben, rund 10 Mrd. Dirham (2,27 Mrd. Euro).

Ohne Gastarbeiter, sagen Experten einhellig, könnten die Emirate ihren Wandel vom Wüstenstaat zur Wirtschaftsmetropole nicht verwirklichen. Doch mit den vielen Zuwanderern scheint ein reales Pro-Kopf- Wachstum utopisch.

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