Konjunkturbarometer
Chinas Firmen brauchen wieder Wanderarbeiter

Wenn Chinas berühmtester Jobvermittler auf Werbetour geht, kann es mit der Krise nicht weit her sein: Denn Zhang Quanshou gilt als Barometer der konjunkturellen Großwetterlage. Millionen chinesische Wanderarbeiter überlegen, dem Aufruf zu folgen – und in die erst vor wenigen Monaten verlassenen Industriegebiete in Südchina zurückzukehren.

PEKING. Zhang Quanshou sucht wieder Angestellte. „Kommt zurück: Im Perlflussdelta mangelt es an Wanderarbeitern“, lautete die Schlagzeile, unter der jüngst eine Zeitung über die neueste Werbetour von Chinas berühmtestem Jobvermittler berichtete. „Vor vier Monaten gab es keine Jobs, jetzt gibt es keine Arbeiter“, sagt der als „Wanderarbeiterkommandant“ bekannte Zhang. 18 000 Menschen hatte seine Leiharbeitsfirma Quanshun in ihren besten Zeiten unter Vertrag, bevor die Finanzkrise Chinas Exporte einbrechen ließ und Zhang über die Hälfte nach Hause schicken musste. Nun versucht er mit einer mehrwöchigen Tour durch seine Heimatprovinz Henan, abermals Landbewohner zu überreden, nach Südchina zu kommen. „Die Fabriken haben wieder Aufträge und fragen mich, wo die Arbeiter geblieben sind“, sagt Zhang.

Wenn in der Schuh-, Textil- und Elektronikindustrie Not am Mann ist, kann Zhang seine Angestellten für einen deutlich höheren Lohn weitervermieten – ein Geschäftsmodell, das ihn während der Boomjahre zum Multimillionär gemacht hat und seinen Reichtum nun wohl noch weiter vergrößern wird. „Ab 16 Jahren, gesund und belastbar, gültige Ausweise, keine Erfahrung erforderlich“, steht auf seinen Flugblättern. Bewerbern verspricht er einen Monatslohn von umgerechnet 130 bis 250 Euro plus Kost und Logis.

Weil Zhang dafür bekannt ist, seine Versprechen zu halten, sehen viele Chinesen seine Rekrutierungsreise als Signal, dass es mit der Krise tatsächlich bald zu Ende geht. Er gilt als Barometer der konjunkturellen Großwetterlage: Wenn es im Perlflussdelta, wo rund ein Drittel der chinesischen Exporte hergestellt wird, wieder Jobs gibt, scheint Chinas größter Wachstumsmotor wieder anzuspringen.

Millionen Wanderarbeiter überlegen deshalb, ob sie noch einmal die Reise in die Industriezonen wagen, von wo sie erst vor wenigen Monaten aufs Land zurückgeschickt wurden.

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