Konjunktureinbruch
Lettland erbittet Hilfen beim Währungsfonds

Der Internationale Währungsfonds hat einen weiteren Bittsteller: Nach Island, der Ukraine, Ungarn und Weißrusslands wendete sich jetzt auch Lettland an die Organisation, um einen Kredit zu erhalten. Lettland leidet wie seine baltischen Nachbarn besonders unter der einbrechenden Konjunktur und einem Leistungsbilanzdefizit in Rekordhöhe.

STOCKHOLM. Die lettische Regierung ermächtigte nach einer Sondersitzung Finanzminister Atis Slakteris, Hilfsmaßnahmen mit dem IWF auszuhandeln. Das baltische Land hat bereits Verhandlungen mit der EU-Kommission über finanzielle Hilfen aufgenommen. Über die Höhe eines eventuellen Kredits machte die lettische Regierung noch keine Angaben. Details stellte Lettlands Regierungschef Ivars Godmanis für die kommende Woche in Aussicht.

Die lettische Regierung hatte erst vor zwei Wochen mit der Parex Bank das zweitgrößte Institut des Landes unter staatliche Kontrolle gestellt. Die Bank war in Folge der Finanzkrise in Zahlungsschwierigkeiten geraten. Lettland leidet wie Nachbar Estland und zum Teil auch Litauen besonders unter der einbrechenden Konjunktur und einem Leistungsbilanzdefizit in Rekordhöhe.

Nach zweistelligen Wachstumsraten in den vergangenen Jahren ist die Wirtschaft in Lettland im dritten Quartal um 4,3 Prozent geschrumpft. In Estland sank das Bruttoinlandsprodukt um 3,3 Prozent. Nur Litauen kann noch mit einem Wachstum aufwarten. Die Wirtschaft legte um drei Prozent zu. Estland und Litauen erklärten, dass sie keine IWF-Hilfe benötigten. Die lettische Regierung hatte bereits drastische Haushaltskürzungen vorgenommen, um die Finanzkrise abzuschwächen.

Der IWF genehmigte unterdessen wie erwartet den 2,1 Mrd. Dollar-Kredit für das vom Staatsbankrott bedrohte Island. Weitere 2,5 Mrd. Dollar erhält der Inselstaat aus den nordeuropäischen Ländern sowie aus Großbritannien und den Niederlanden. Weitere 200 Mio. Dollar will Polen zur Verfügung stellen. Russland will sich mit einem Kredit in Höhe von 500 Mio. Dollar an der Hilfsaktion beteiligen. Zusammen mit den Bürgschaften, die einzelne Staaten Island gegeben haben, damit die verstaatlichten Banken die Einlagen ihrer Auslandskunden zurückzahlen können, belaufen sich die gesamten Hilfsleistungen auf etwa zehn Mrd. Dollar. Wichtigstes Ziel ist nach Worten von Islands Regierungschef Geir Haarde die Stabilisierung der isländischen Krone. Sie hat seit Jahresbeginn fast 70 Prozent ihres Wertes verloren.

Helmut Steuer berichtet für das Handelsblatt aus Skandinavien. Regelmäßig ist er auch in der Ukraine unterwegs.
Helmut Steuer
Handelsblatt / Korrespondent
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