Konjunkturhilfefonds
Citroën-Manager rückt an Spitze des französischen Staatsfonds

Die Chefriege des französischen Konjunkturhilfefonds FSI ist komplett. Generaldirektor wird der 52-Jährige Gilles Michel. Der bisherige Vorstand von Citroën verlässt den französischen Autokonzern PSA, die Nummer zwei in Europa. Kritiker fürchten, es könne zu einer Bevorzugung der Autoindustrie kommen.

PARIS. Der 52-Jährige wird Generaldirektor des Fonds stratégique d?investissement, der ein Volumen von 20 Mrd. Euro hat. Michel soll mit dem Fonds dafür sorgen, dass die französische Wirtschaft wieder in Schwung kommt. Mit seinem Amtsantritt ist der FSI jetzt einsatzbereit.

Für den Fonds steuern der Staat und die Staatsbank Caisse des Dépôts et Consignations (CDC) sechs Mrd. Euro in bar als Anschubfinanzierung bei, weitere 14 Mrd. stellen Staat und CDC, indem sie ihre bestehenden Minderheitsanteile an Konzernen wie Renault oder Air France auf den neuen Staatsfonds übertragen. Wirtschaftsministerin Christine Lagarde stellte in Aussicht, dass der größte Teil des Geldes noch vor Ende Juni zur Verfügung gestellt wird.

Michel ist seit 2002 bei dem Autokonzern PSA tätig. Er verlässt den Autokonzern genau in dem Moment, wo dieser die schwerste Krise seiner Geschichte erlebt. Der Absatz von PSA fiel innerhalb eines Jahres um neun Prozent. Vorher war Michel, Absolvent der Eliteschulen Polytechnique und l?Institut d?Etudes Politiques, lange Zeit bei Frankreichs Baustoffkonzern Saint Gobain. Sein Industriewissen wird in Frankreich als Vorteil gesehen. PSA kommentierte den Abschied von Michel so: "Die industrielle Kompetenz von Gilles Michel ist ein Trumpf für den Fonds, der die französische Wirtschaft und vor allem die Industrie in der Krise unterstützen soll." Bei PSA wird Vorstandschef Christian Streiff vorübergehend Michels Aufgaben mitübernehmen, bis ein Nachfolger ernannt ist.

Der FSI, der im November von Staatspräsident Nicolas Sarkozy vorgestellt wurde, wird von der Staatsbank CDC geleitet, die mit 51 Prozent Hauptaktionär des Fonds ist. Der französische Staat ist mit 49 Prozent beteiligt. Strategisch wichtige Unternehmen in Frankreich, aber auch kleine und mittlere Firmen, sollen von dem Fonds unterstützt werden. Er soll Unternehmen mit Eigenkapitalspritzen aus der Krise helfen. Auch die Automobilindustrie soll entscheidend von dem Fonds profitieren. Deshalb wird Automanager Michel einerseits als der richtige Mann für den wichtigen Posten angesehen. Andererseits wirft seine Ernennung auch Fragen auf. Kritiker befürchten, es könnte zu einer Bevorzugung der Automobilbauer oder gar bestimmter Unternehmen dieser Branche kommen.

Vorsitzender des Verwaltungsrats des Fonds ist Augustin de Romanet, der Generaldirektor der Caisse des Dépôts. Patricia Barbizet, die die Luxusgüter-Finanzholding Artémis leitet, ist die Investitionschefin. Auch bei ihr gab es schon Zweifel daran, ob es nicht zu Interessenkonflikten kommen könnte. Jean-François Dehecq, Verwaltungsratsvorsitzender von Sanofi-Aventis, leitet das Strategie- und Orientierungskomitee, dem auch die Sozialpartner angehören.

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