Konjunkturpaket
Singapur investiert gegen die Krise

Rund 10 Mrd. Euro investiert Singapur in das größte Konjunkturpaket seiner Geschichte und will so die Folgen der Krise bekämpfen. Auch wenn die Wirtschaft im Stadtstaat derzeit um mindestens sechs Prozent schrumpft, kommt unter den Einwohnern keine Krisenstimmung auf.

SINGAPUR. Dutzende Containerschiffe dümpeln in Küstennähe vor sich hin, im Hafen von Singapur stapeln sich die Container in schier endlosen Reihen. Die Straße von Malakka ist die am stärksten befahrene Wasserstraße der Welt, doch in der Krise kommt der Verkehr beinahe zum Erliegen - für die Handelsnation Singapur ein schwerer Schlag: Um fast ein Drittel sind die Exporte im ersten Quartal gegenüber dem Vorjahr eingebrochen. Statt der durchschnittlichen sechs bis sieben Prozent Wirtschaftswachstum erwartet die Regierung in diesem Jahr einen Rückgang zwischen sechs und neun Prozent; der Internationale Währungsfonds geht sogar von minus zehn Prozent aus.

Doch Krisenstimmung sucht man vergebens im Land. Im Chinesischen leitet sich das Schriftzeichen für Krise aus den Schriftzeichen für Gefahr und Chance ab. Diese Bedeutung des Wortes hat auch Singapur verinnerlicht. "In Deutschland spricht man von einer Krise, in Asien von einer Herausforderung", sagt Andreas Kambach, Geschäftsführer der Singapur-Niederlassung des Werkzeugherstellers Wiha. Der Stadtstaat ist wie die gesamte Region geübt im Umgang mit Krisen: Asienkrise, Vogelgrippe, Tsunami, Terroranschläge haben das Bewusstsein dafür geschärft, dass es nicht immer nur bergauf geht.

Die Regierung demonstriert in Zeiten der Krise Entschlossenheit. Im Februar legte sie das größte Konjunkturpaket in der Geschichte des Landes vor - und pumpt in den kommenden zwei Jahren umgerechnet 10,2 Mrd. Euro in die Wirtschaft. Schulden macht sie dafür nicht. Die Haushaltsüberschüsse der vergangenen Jahre plus rund 2,5 Mrd. Euro aus den Währungsreserven reichen aus. "Wir leben nicht über unsere Verhältnisse und sparen für die Regentage", fasst Teo Ming Kian, Staatssekretär im Finanzministerium, die Strategie zusammen.

Die Zeit der Haushaltsüberschüsse ist jedoch vorerst vorbei. Für 2009 geht die Regierung von einem Defizit von sechs Prozent des Bruttoinlandsproduktes aus. Mit Hilfe des Konjunkturpakets soll Singapur die Krise nicht nur überstehen, sondern auch noch gestärkt aus ihr hervorgehen. Kurzfristig zielen die Hilfen vor allem auf die Sicherung der Jobs: Lohnkosten sinken, Unternehmen werden steuerlich entlastet, und Mitarbeiter in Kurzarbeit profitieren von Fortbildungsprogrammen. Kosten: knapp vier Mrd. Euro.

Hinzu kommen Ausgaben für Bildung, Infrastruktur und das Gesundheitssystem in Höhe von rund 2,3 Mrd. Euro. Haushalte mit niedrigem Einkommen werden mit insgesamt 1,3 Mrd. Euro unterstützt. Um den Kreditmarkt zu stützen, stehen knapp drei Mrd. Euro zur Verfügung. Zwar sind die Banken kaum von der Finanzkrise betroffen, denn sie wurden als Konsequenz aus der Asienkrise Ende der 1990er-Jahre in ihrem Risikomanagement streng reguliert. Doch vom internationalen Finanzmarkt abkoppeln können sich die Institute nicht. Auch in Singapur werden Kredite an Unternehmen wegen der unsicheren Lage restriktiver vergeben, die von der Regierung bereitgestellten Hilfen sollen einer mögliche Kreditklemme vorbeugen.

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