Konjunkturprogramme
Chinas Jobmaschine läuft stotternd an

Auch im Boomland China gibt es nicht für jeden Arbeit. Konjunkturprogramme des Staats haben zuletzt die Nachfrage nach Arbeitskräften belebt, allerdings leidet nun ausgerechnet die Bildungselite unter der Krise. Uni-Absolventen müssen mehr denn je um ihre Karrieren bangen.

PEKING. Freundlich hält der junge Chinese die Glastür auf und eilt zum Lift. „In welches Stockwerk möchten Sie?“, fragt er in bestem Englisch. Solch einen Service kannten die Bewohner im Pekinger Wohnblock „Concordia Plaza“ früher nicht. In Chinas Hauptstadt sprachen Wachleute, Taxifahrer und Bedienungen kaum Fremdsprachen. Wer etwas Englisch konnte, fand schnell eine bessere Anstellung.

Dann kam die Krise. Und so steht der 22-Jährige aus der Provinz Shandong seit ein paar Monaten in dunkelblauer Uniform am Eingang und grüßt die Ankommenden. „Ich habe die Fremdsprachen-Uni im Sommer beendet und keinen Job gefunden“, erzählt er. Nun arbeitet er als Wachmann im „Concordia Plaza“ – für 600 Yuan im Monat, rund 60 Euro.

Gerade Hochschulabsolventen hat die Krise in China stark getroffen; etwa jeder dritte Abgänger ist offiziellen Angaben zufolge arbeitslos. In der Küstenprovinz Guangdong arbeiten Ingenieure und Betriebswirte bereits als Hausangestellte, berichten Zeitungen. Damit wird in dieser Branche die Lage auf dem Arbeitsmarkt für Einwanderer aus Asien oder für chinesische Wanderarbeiterinnen noch härter – zumal entlang der Küste viele Fabriken, in denen sonst Millionen von Wanderarbeitern schnell einen anderen Job gefunden haben, schließen mussten.

In der Stadt Wenzhou, Provinz Zhejiang, aus der quasi jedes billige Plastikfeuerzeug der Welt stammt, haben von 700 Herstellern nur 100 überlebt. Meist machten zwar kleine, unrentable Firmen dicht, die selten gute Arbeitsbedingungen boten. Doch die Auswirkungen für den Arbeitsmarkt sind dennoch nicht positiv: Viele Arbeiter sind in ihre Heimat zurückgekehrt, leben wieder bei ihrer Familie.

Infolge der globalen Krise haben nach Angaben der Behörden in der Volksrepublik zwischen 16,5 und 25 Millionen Menschen ihren Job verloren. Eine Studie der Chinese Academy of Social Science (Cass) geht sogar von 41 Millionen aus – das entspreche 40 Prozent aller Entlassungen weltweit, so die Forscher. Und noch immer seien davon 23 Millionen ohne Job.

Seite 1:

Chinas Jobmaschine läuft stotternd an

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%