Konjunkturschwäche
Osteuropa steht vor wirtschaftlicher Teilung

Die Konjunkturschwäche, die Ende 2011 in Westeuropa eingesetzt hat, erreicht 2012 deutlich spürbar nun den Osten. Nur noch Polen, Tschechien und die Slowakei bleiben von großen Ungleichgewichten verschont.
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WienOsteuropa driftet auseinander. Während stärker industrialisierte Länder wie Polen und Tschechien auch trotz der jüngsten Konjunkturschwäche weiter wachsen, droht auf dem Balkan oder in Ungarn eine anhaltende Stagnation. „In Europa zeichnet sich eine neue Teilung ab“, sagte gestern Michael Landesmann, Direktor des Wiener Instituts für Internationale Wirtschaftsvergleiche (WIIW). Die Wissenschaftler aus Österreich haben sich auf Osteuropa spezialisiert und beobachten dort die wirtschaftliche Entwicklung.

Die Konjunkturschwäche, die in Westeuropa bereits Ende 2011 eingesetzt hatte, wird 2012 im Osten stärker spürbar. Die WIIW-Wissenschaftler erwarten jetzt, dass die Wirtschaft in den zehn osteuropäischen Mitgliedstaaten der EU 2012 mit einer durchschnittlichen Rate von 1,5 Prozent wachsen wird. Bei seiner Herbst-Prognose im November war das WIIW noch von 2,4 Prozent Wachstum für den Osten der EU ausgegangen.

WIIW-Direktor Landesmann ist auch für die folgenden zwei bis drei Jahre nicht sonderlich optimistisch. „Für alle Nachfragekomponenten zeichnet sich eine schwache Entwicklung ab“, betonte er. Die Regierungen betrieben eine prozyklische Politik und setzten vor allem auf Einsparungen, die privaten Haushalte seien verunsichert und reduzierten den Konsum. Der Aufholprozess mit Westeuropa verlangsame sich deutlich, zudem sei mit steigender Arbeitslosigkeit zu rechnen.

Davon nimmt das WIIW die Länder Polen, Tschechien und die Slowakei aus. „Die letzten Drei ohne große wirtschaftliche Ungleichgewichte, die übrig geblieben sind“, sagte Landesmann. Polen wird nach WIIW-Schätzungen 2012 um drei Prozent wachsen, die Slowakei um 1,5 Prozent und Tschechien um 0,5 Prozent. In Ungarn und in Ex-Jugoslawien schrumpft die Wirtschaft dagegen. Für Ungarn und Slowenien rechnen die Wirtschaftsforscher mit minus ein Prozent, in Kroatien mit minus 1,2 Prozent. Bulgarien stagniert in diesem Jahr.

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