Konkurrenz droht vor allem aus China
Netzwerk „Euro Textil Region“ soll Billig-Importe verhindern

Wenn vom kommenden Jahr an die Exportquote für Textilien und Bekleidung abgeschafft wird, befürchten viele Europäische Hersteller eine Billigimport-Lawine. In der "Euro Textil Region" wollen deutsche, polnische und tschechische Unternehmen mit Kooperation auf die drohende Konkurrenz aus Fernost reagieren.

HB CHEMNITZ/PRAG/WARSCHAU - Ein Gespenst schwebt über der europäischen Textilbranche: die Furcht vor einer Billigimport-Lawine aus China vom 1. Januar 2005 an. Denn dann wird nach einem Beschluss der Welthandelsorganisation (WTO) die Exportquote für Textilien und Bekleidung abgeschafft und damit auch die letzte Beschränkung für Einfuhren aus dem Reich der Mitte wegfallen. In der größten zusammenhängenden Textilregion Europas, den grenznahen Gebieten von Sachsen/Brandenburg sowie Tschechien und Polen, werden die Gefahren unterschiedlich bewertet.

Am tiefsten sitzen die Ängste in Böhmen. Hier sind in der Branche seit der politischen Wende von 1989 bereits 150 000 Arbeitsplätze wegen Umstrukturierung oder Firmenpleiten verloren gegangen. Von den heute noch etwa 100 000 Beschäftigten müssten rund 40 000 vor allem wegen der Billigkonkurrenz aus Asien um ihre Stelle bangen, sagt Jiri Kohoutek, Generalsekretär der Vereinigung für Textil-, Bekleidungs- und Lederindustrie in Prag: „Auch deshalb möchten wir, dass sich die EU-Grenzen für Produkte aus China nicht wie vorgesehen schon 2005, sondern erst frühestens in drei Jahren öffnen.“

In Polen sieht die Branche dem Datum äußerlich gelassen entgegen. Massive Ängste geben die Unternehmen nicht zu erkennen. Die Lage der polnischen Textilindustrie ist schon seit Jahren nicht übermäßig rosig. Nach der Wende hat eine Reihe von Firmen in der klassischen Textilregion Lodz dicht machen müssen. Andererseits entwickeln sich Nischen, in denen die Hersteller - etwa von Miederwaren - hoffen, im Vergleich zu westlichen Konkurrenten attraktivere, aber preisgünstigere Modelle zu liefern.

Der Verband der Nord-Ostdeutschen Textil- und Bekleidungsindustrie (vti) in Chemnitz schätzt die Lage nüchtern ein: „Es hat keinen Sinn gegen die völlige Liberalisierung des Welthandels anzugehen. Wir müssen damit leben und einen fairen Handel von China erzwingen“, sagt vti-Hauptgeschäftsführer Bertram Höfer. Dumpingpreise von einem Euro für ein Oberhemd etwa könnten nicht hingenommen werden, da sei wohl Subvention durch den chinesischen Staat im Spiel.

„So etwas darf die EU nicht tolerieren“, fordert Höfer. China ist nach seinen Angaben zu einer Selbstbeschränkung beim Export aufgefordert, um den Markt nicht kaputt zu machen. Darüber gebe es Gespräche zwischen den Verbänden Deutschlands und Chinas. Zum anderen müsse Peking den Schutz von Marken und Mustern gewährleisten. „Es darf aber nicht beim Reden bleiben, das braucht Kontrollsysteme.“

Seite 1:

Netzwerk „Euro Textil Region“ soll Billig-Importe verhindern

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%