Konsequenz aus Krise
Erste Firmen stoppen Simbabwe-Geschäft

Auf Südafrika kann sich Robert Mugabe weiter verlassen. Der Präsident des Kap-Staates, Thabo Mbeki, spingt dem umstrittenen Machthaber erneut bei. Forderungen der EU nach einer Regierung in Simbabwe unter Leitung von Oppositionschef Tsvangirai schmettert er ab. Dabei ziehen die ersten Firmen und Investoren in Afrika bereits Konsequenzen aus der Krise.

HB JOHANNESBURG. Südafrika verbittet sich die Einmischung: Präsident Thabo Mbeki hat Forderungen der Europäischen Union (EU) zur Beilegung der Krise im Nachbarland Simbabwe zurückgewiesen.

Im nationalen Rundfunk erklärte er mit Blick auf die EU-Forderung nach einer Regierung unter Leitung von Oppositionschef Morgan Tsvangirai: "Das aus dem Dialog hervorgehende Ergebnis muss ein Ergebnis sein, das von den Simbabwern akzeptiert wird; und wir - und ganz bestimmt der afrikanische Kontinent - haben keine Vorgaben für das Ergebnis gemacht, das die Simbabwer unter sich selbst aushandeln müssen."

Er betonte, der simbabwische Präsident Robert Mugabe habe am Vortag auf dem Gipfel der Afrikanischen Union (AU) in Ägypten keine Vorbehalte gegen einen Dialog mit Oppositionschef Tsvangirai gehabt. Frankreichs Außenminister Bernard Kouchner hatte erklärt, die Europäische Union werde eine Regierung unter Mugabe "nicht akzeptieren". Die Regierung müsse von Tsvangirai geführt werden.

Der Chef der Bewegung für Demokratischen Wandel (MDC) hatte Ende März die Präsidentschaftswahl gewonnen, die absolute Mehrheit aber verfehlt. Bei der anschließenden Stichwahl hatte er sich angesichts der brutalen Gewalt gegen seine Anhänger dann aber zurückgezogen.

Erste Firmen stoppen Simbabwe-Geschäft

Indes zeigen die Appelle der Politik Wirkung in der Wirtschaft. Die ersten Firmen haben die Zusammenarbeit mit dem Mugabe-Regime eingestellt. So stoppte der Münchner Banknotenhersteller Giesecke und Devrient die Lieferung von Geldscheinpapier an die Zentralbank von Simbabwe mit sofortiger Wirkung. Das Unternehmen reagiere damit auf eine entsprechende Forderung der Bundesregierung und internationale Sanktionsinitiativen seitens der Europäischen Union und der Vereinten Nationen, hieß es.

"Unsere Entscheidung trägt der sich entgegen unserer Erwartung nicht verbessernden, sondern deutlich verschärfenden politischen Situation in Simbabwe Rechnung und berücksichtigt deren kritische Bewertung durch die internationale Staatengemeinschaft, die Bundesregierung und die allgemeine Öffentlichkeit" erklärte der Vorsitzende der Geschäftsführung, Karsten Ottenberg. Das Unternehmen vertraue auf die politische und moralische Bewertung der für Handelsbeziehungen zuständigen internationalen Organisationen.

Banknoten sind in Simbabwe besonders wichtig: Das südafrikanische Land hat weltweit die höchste Inflationsrate. Offiziell liegt sie bei über 100 000 Prozent, inoffiziellen Schätzungen zufolge hat sie längst die Millionengrenze überschritten. Machthaber Mugabe hielt sich bislang mit der Druckerpresse an der Macht - das könnte ohne Nachschub für frische Banknoten schwieriger werden.

Auch eine der weltweit größten Supermarktketten beendete wegen der politischen Krise den Handel mit dem afrikanischen Land. Der britische Handelsriese Tesco will keine Waren aus Simbabwe zu vertreiben, so lange die "derzeitige politische Krise" anhalte. "Wir können sie (die Arbeiter in Simbabwe) nicht durch den Handel unterstützen, aber wir suchen nach Wegen, ihnen auf andere Weise zu helfen", begründete ein Sprecher die Entscheidung.

Pro Jahr kauft Tesco nach eigenen Angaben landwirtschaftliche Produkte aus Simbabwe im Wert von rund einer Million Pfund (1,3 Millionen Euro). Tesco ist die größte Handelskette in Großbritannien. Kritisiert wurden jüngst Pläne des Bergbau-Konzerns Anglo American, 200 Millionen Pfund (253 Millionen Euro) in den Bau einer Platin-Mine zu investieren.

Bis in die 1990er Jahre hatte Simbabwe eine florierende Wirtschaft. Heute regiert der seit 28 Jahren herrschende Präsident Robert Mugabe mit harter Hand ein Land, in dem etwa vier Millionen der rund zwölf Millionen Menschen hungern. 85 Prozent haben keine Arbeit, die Hyperinflation mit sechsstelligen Prozentwerten ist die höchste der Welt.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%