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Konservative in Frankreich: Copé löst Sarkozy als Parteichef ab

Nach über 24 Stunden Unsicherheit über den Wahlausgang ist es entschieden: Jean-François Copé wird neuer Parteichef der konservativen Partei UMP. Beide Lager hatten einander Wahlbetrug vorgeworfen.

Jean-François Copé (Mitte) hat die knappe Urwahl um den Parteivorsitz der UMP gewonnen. Quelle: Reuters
Jean-François Copé (Mitte) hat die knappe Urwahl um den Parteivorsitz der UMP gewonnen. Quelle: Reuters

ParisMit hauchdünnem Vorsprung hat der Generalsekretär von Frankreichs konservativer UMP, Jean-François Copé, die umkämpfte Urwahl zum Parteichef gewonnen. Copé setzte sich mit nur 98 Stimmen Vorsprung gegen seinen Rivalen, Ex-Premier François Fillon, durch, wie die UMP-Wahlkommission am späten Montagabend mitteilte. In einer ersten Reaktion beschwor Copé die Einheit der Partei und rief den unterlegenen Fillon zur Zusammenarbeit auf.

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Copé erhielt bei der Abstimmung vom Sonntag nach Angaben der Wahlkommission 87.388 Stimmen und kam damit auf 50,03 Prozent. Fillon erreichte mit 87.290 Stimmen ein Ergebnis von 49,97 Prozent. Der Ex-Regierungschef zeigte sich nach der Bekanntgabe des Ergebnisses enttäuscht, erklärte aber, dieses nicht anfechten zu wollen. Zugleich beklagte er einen "moralischen und politischen Bruch" bei der UMP.

Frankreich

Copé und Fillon hatten sich über Monate einen zunehmend erbitterten Wahlkampf um die Nachfolge von Ex-Staatschef Nicolas Sarkozy als UMP-Vorsitzender geliefert. In der Nacht zum Montag erklärten sich sowohl Copé als auch Fillon vor Bekanntgabe des Ergebnisses zum Wahlsieger, aus beiden Lagern wurden zudem Betrugsvorwürfe gegen das jeweils andere Lager laut. Die Wahlkommission brauchte mehr als 24 Stunden, um den Sieger der Abstimmung zu ermitteln. Parteigrößen wie Ex-Regierungschef Alain Juppé warnten angesichts der erbittert geführten Auseinandersetzung zwischen Copé und Fillon vor einer Spaltung der Partei.

Copé beschwor nach seiner Ausrufung zum Wahlsieger die Einheit der UMP. Er habe Fillon angerufen und ihm angeboten, sich ihm "anzuschließen", sagte der 48-Jährige. "Meine Hände und Arme sind weit geöffnet (...). Ich hege weder Bitterkeit noch Groll. Was uns vereint, ist unendlich viel größer als das, was uns trennt."

Der Ausgang der Abstimmung unter den UMP-Parteimitgliedern ist eine herbe Niederlage für Fillon. Der staatsmännisch auftretende 58-Jährige, der unter Sarkozy fünf Jahre lang Regierungschef war, genießt bei den Franzosen große Sympathien und hatte in Umfragen weit vor Copé gelegen, der einen aggressiveren Kurs fuhr und auch vor rechtspopulistischen Parolen nicht zurückschreckte. Copé wird nun alle Hände voll zu tun haben, die Partei nach der Chaos-Wahl wieder zu versöhnen.

Fillon und Copé haben keinen Hehl aus ihren Ambitionen auf eine Kandidatur für das Amt des Staatschefs gemacht, der Posten des Parteivorsitzenden gilt als Sprungbrett dafür. Die nächste Präsidentenwahl findet 2017 statt. Sarkozy hatte die Wahl vor sechs Monaten gegen seinen sozialistischen Herausforderer François Hollande verloren. In Frankreich wird seit Monaten darüber spekuliert, ob Sarkozy in die Politik zurückkehrt. Bei den konservativen Wählern ist er der Favorit für eine Präsidentschaftskandidatur 2017.

 

  • 20.11.2012, 07:18 Uhraruba

    Guten Tag,... Erlauben Sie mir eine Bemerkung. Sarkozy war ein elender Praesident. [...] Pauvre France. Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte bleiben Sie sachlich.

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