Konservative Kirchgänger zur Wahlhilfe auf gefordert
Bush provoziert Bürgerrechtler

US-Präsident George W. Bush hat im Kampf um Wählerstimmen konservative Kirchgänger aufgefordert, seiner Partei die Mitgliederverzeichnisse ihrer Gemeinden zur Verfügung zu stellen. Vertreter religiöser Gemeinschaften und von Bürgerrechtsorganisationen kritisierten den Schritt scharf.

HB WASHINGTON. „Wir gehen davon aus, dass die Wahl so knapp werden kann wie (die Abstimmung) im Jahr 2000“, sagte Scott Stanzel, Sprecher von Bushs Wahlkampagne am Donnerstag. „Deswegen zählt jede Stimme und es ist wichtig, jeden einzelnen Anhänger von Präsident Bush zu erreichen.“ Für die Werbung um die Unterstützung konservativer Religionsgemeinschaften listeten Bushs Wahlkampfmanager in einem speziellen Handbuch rund zwei Dutzend konkrete Vorgehensweisen und Fristen auf. Freiwillige sollen in den Gemeinden Informationen zum Wahlverfahren verteilen und sich bei ihren Geistlichen für Angebote zum Eintrag in Wählerverzeichnisse einsetzen.

Führende Kirchenvertreter zeigten sich über das Ansinnen der Republikaner entsetzt. „Zuallererst würde ich es nicht wollen, dass meine Gemeindeverzeichnisse auf diese Weise benutzt würden“, sagte der Richard Land, der beim Bund der Südlichen Baptisten (SBC) für Fragen religiöser und ethischer Freiheiten zuständig ist.

Bush genoss 2000 bei der konservativen protestantischen Gemeinschaft und ihren 16 Millionen Mitgliedern einen starken Rückhalt . Damals habe man Kirchgänger dazu aufgefordert, „für ihre Werte zu wählen“, sagte Land weiter. „Es ist eine Sache, wenn wir das tun. Aber es ist etwas vollkommen anderes, wenn eine parteiische Wahlkampforganisation daher kommt und versucht, innerhalb der Kirche (Unterstützung) zu organisieren. Viele Pastoren werden sagen: „Geduld, mein Junge'“, fügte er hinzu. Die Amerikanische Vereinigung für die Trennung von Kirche und Staat kritisierte gleichfalls die Aktion: „Jede Zusammenarbeit zwischen Bushs Wahlkampforganisatoren und Kirchenführern wäre eindeutig illegal“, hieß es in einer Erklärung.

Der Republikaner Bush tritt im November zur Wiederwahl an und liegt Umfragen zufolge derzeit in der Gunst der Wähler gleichauf mit seinem demokratischen Gegenkandidaten John Kerry. In einer vom Wall Street Journal und NBC in Auftrag gegebenen Befragung sagten kürzlich 47 Prozent der registrierten Wähler, sie seien inzwischen davon überzeugt, dass Bush sie über die Bedrohung durch den irakischen Präsidenten Saddam Hussein in die Irre geleitet habe. Bush hatte den Irak-Krieg damit begründet, dass Saddam Massenvernichtungswaffen entwickle. Dafür wurden jedoch bislang keine Belege gefunden.

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