Konsum
Berlusconi animiert Italiener zum Einkaufen

Italiens Premier Silvio Berlusconi ruft seine Mitbürger zum Konsumieren auf. Geringverdienern will er im Zuge des milliardenschweren Hilfspakets direkt Geld zukommen lassen. Auch eine Senkung der Mehrwertsteuer ist im Gespräch.

MAILAND. Italiens Premier Silvio Berlusconi ruft seine Mitbürger zum Konsumieren auf. Geringverdienern will er im Zuge des milliardenschweren Hilfspakets direkt Geld zukommen lassen. Und auch über eine Senkung der Mehrwertsteuer diskutiert die Regierung in Rom. Noch im Laufe dieser Woche soll ein 80 Mrd. Euro schweres Rettungspaket für die Wirtschaft und die Verbraucher abgesegnet werden. Gestern traf Berlusconi mit den Vertretern der Sozialparteien zusammen.

"Die Verbraucher sind die Schiedsrichter der Situation", sagte Berlusconi. Wie schon in der Vergangenheit beschuldigt Berlusconi die Medien und die Opposition, Panikmache zu betreiben. "Wir haben gesehen, dass die Bankenkrise nichts ändert und dass sich für die Unternehmen nichts ändert. Aber wenn sich die Familien von der Katastrophenstimmung mitreißen lassen, die die Opposition verbreitet und über die man ständig im Fernsehen spricht, dann haben wir wirklich die Krise."

Tatsächlich beschweren sich auch in Italien viele Unternehmer, dass sie weniger Kredite bekommen, auch wenn das der Bankenverband Abi bisher bestreitet. Verbraucherverbände klagen, dass vielen Familien das Einkommen nicht mehr bis zum Monatsende reicht. Schon jetzt befindet sich die italienische Wirtschaft in der Rezession.

Insgesamt will die italienische Regierung Hilfen in Höhe von 80 Mrd. Euro bereitstellen, von denen die Hälfte in den kommenden drei Jahren aus den EU-Strukturfonds kommen soll. 16 Mrd. Euro sollen in die Infrastruktur investiert werden, weitere zehn Mrd. Euro allein in das Autobahnnetz. Für die mittleren und kleineren Unternehmen ist eine Senkung der Steuervorauszahlungen vorgesehen und das im Dezember fällige 13. Monatsgehalt soll steuerlich begünstigt werden, um den privaten Konsum anzukurbeln. Den Auto- und Hausgeräteherstellern soll ebenso geholfen werden wie den Banken. Allerdings fallen die Hilfen für die Banken voraussichtlich mit 15 bis 20 Mrd. Euro deutlich geringer aus als ursprünglich geplant.

Bedürftigen Familien, Rentnern und Arbeitslosen soll direkt Geld zukommen, da sie von Steuersenkungen nicht profitieren würden. "Das wird kein Steuerbonus sein", stellte Sozialminister Maurizio Sacconi klar, "sondern ein Beitrag zum Einkommen. Also frisches Geld."

Auch über eine Senkung der Mehrwertsteuer denkt die Regierung nach. Minister Sacconi machte jedoch klar, dass das nur in Absprache mit den anderen europäischen Ländern geschehen könnte.

In diesen Tagen hat die Gewerkschaft CGIL Alarm geschlagen, dass bis zum Jahresende 400 000 Angestellte mit befristeten Arbeitsverträgen ihren Job verlieren werden.

Katharina Kort
Katharina Kort
Handelsblatt / Korrespondentin
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%