Konsumgutscheine
Deutschland diskutiert, Australien spendiert

Während sich in Deutschland Politiker und Experten den Mund über Konsumgutscheine fusselig reden, setzt Australien die Idee kurzerhand um: Der australische Premierminister Kevin Rudd verteilt in den kommenden Tagen über 10 Mrd. australische Dollar (rund fünf Mrd. Euro) an Familien mit niedrigem Einkommen und an Rentner.

CANBERRA. Im Edelwarenhaus David Jones in Canberra herrscht Vorfreude. Endlich, endlich, endlich werden jetzt wieder die Kassen klingeln. "Ich hoffe, dass ich bald wieder mal eine Warteschlange sehe", meint eine Verkäuferin, die mangels Kundschaft den Tag damit verbringt, mit einem Federwischer Mixer und Mikrowellen abzustauben - immer und immer wieder. "Ja, es ist eine gute Idee", sagt sie, "eine Superidee."

Die "Idee" ist ein Weihnachtsgeschenk, wie man es sich wünscht: Der australische Premierminister Kevin Rudd verteilt in den kommenden Tagen über 10 Mrd. australische Dollar (rund fünf Mrd. Euro) an Familien mit niedrigem Einkommen und an Rentner. Beträge zwischen 1 000 und 1 400 Dollar (500 bis 700 Euro) werden direkt auf die Konten der Bürger eingezahlt. So etwa ab Mittwoch dürften also bei David Jones wieder die Kassen klingeln - jedenfalls stellt sich die Regierung das so vor.

Was deutsche Politiker und Ökonomen derzeit erst zaghaft diskutieren, wird in Australien gerade Wirklichkeit: Der Staat schmeißt großzügig Geld unters Volk. Ziel: Die darbende Konjunktur soll wieder auf die Beine kommen. "Ausgeben, ausgeben, ausgeben" sollten die Begünstigten das Geld, erklärten mehrere Minister. Man wolle, dass das Geld rasch in die Wirtschaft zurückfließe, so Premier Rudd.

Auch Australien leidet seit Monaten unter den Folgen der Finanzkrise. Zwar sind australische Banken nicht im selben Umfang betroffen wie die Finanzinstitute in den Vereinigten Staaten oder Europa. Auch läuft Australien vorerst nicht Gefahr, in eine Rezession zu rutschen. Doch weil die Exporte von Rohstoffen ins Wachstumsland China zurückgehen, leidet die Gesamtwirtschaft - und damit der Arbeitsmarkt. Die australische Bank ANZ meldete am Montag, die Anzahl der Stellenanzeigen in den Zeitungen sei im letzten Monat um fast neun Prozent gefallen.

Der australische Einzelhandel begrüßt die "Weihnachtsaktion" der Regierung erwartungsgemäß in höchsten Tönen. Mehrere Firmen warben am Wochenende mit den Worten der Regierung, das Geld sofort auszugeben. Selbst die Börse profitierte: Die Aktien von Einzelhandelsunternehmen legten wieder zu.

Die Regierung hat in den letzten Tagen eine ganze Reihe von Maßnahmen zur wirtschaftlichen Stimulierung angekündigt. So will sie in den Ausbau von Infrastruktur investieren. Außerdem greift Canberra der leidenden Automobilindustrie mit acht Mrd. australischen Dollar unter die Arme.

Urs Wälterlin
Urs Wälterlin
Handelsblatt / Korrespondent
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