Kontakte nach Deutschland möglich
Die Fäden der Terroristen

Möglicherweise haben sie überall ihre Finger im Spiel: Die Terrorverdächtigen von London. Gegenwärtig verhört die britische Polizei die Festgenommenen zu ihren Verbindungen zu den Selbstmordattentätern in der Londoner U-Bahn. Sogar Kontakte nach Deutschland soll es gegeben haben.

HB LONDON/FRANKFURT. Wegen der vereitelten Terroranschläge hat die britische Polizei am Sonntag 22 Verdächtige verhört. Die Ermittler wollten unter anderem herausfinden, ob die Festgenommenen, meist in Großbritannien geborene Muslime, Verbindungen zu den Selbstmordattentätern hatten, die am 7. Juli 2005 die verheerenden Anschläge in der Londoner U-Bahn verübten. Die Bundesregierung prüft Verbindungen der potenziellen Attentäter nach Deutschland.

Zudem stellte sich heraus, dass Großbritannien offenbar noch weit stärker durch terroristische Anschlagspläne bedroht ist als bislang befürchtet. Allein seit den verheerenden Selbstmordattentaten in der Londoner U-Bahn vor einem Jahr mit mehr als 50 Toten seien vier potenziell folgenschwere Terrorangriffe verhindert worden, sagte Innenminister John Reid am Sonntag. Das Risiko eines neuerlichen Terroranschlags sei weiterhin hoch. „Wir glauben, wir haben die Hauptverdächtigen dieser Abhöraktion und dieses Terrorplans“, sagte Reid im Fernsehsender BBC. Aber da sind immer noch Menschen da draußen, die solche Anschläge ausführen würden.“

In Großbritannien wurden im Rahmen der Polizeiaktion vom Donnerstag 24 Verdächtige festgenommen. Eine Person wurde am Freitagabend wieder freigelassen. Die internationalen Ermittlungen konzentrierten sich auf zwei Brüder, von denen einer in Pakistan und einer in England festgenommen wurde. Ein ranghoher pakistanischer Sicherheitsbeamter sagte der Nachrichtenagentur AP, wenige Tage nach der Festnahme des ersten Bruders in Pakistan sei ein Telefongespräch nach Großbritannien abgefangen worden. Der Anrufer habe Komplizen in England aufgefordert, ihren Plan auszuführen.

Der Staatssekretär im Bundesinnenministerium, August Hanning, sagte in der ARD, man habe Hinweise, dass es Kontakte nach Deutschland gegeben haben solle. „Wir sind dabei, diese Kontakte zu verifizieren. Es gebe aber keinerlei Hinweise, dass eine Spur von London nach Deutschland führe. Der gesuchte Terrorverdächtige Said Bahaji soll Mitglied der Hamburger Zelle um Mohammed Atta gewesen sein, die die Terroranschläge des 11. September 2001 ausführte. Er soll sich in Pakistan aufhalten.

Wegen der Anschlagspläne wird es nach den Worten von Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble auch in Deutschland „dauerhaft schärfere Kontrollen“ für Flugreisende geben. Der CDU-Politiker versprach, dass die Bundesregierung ihre Vorhaben zur Terrorismusbekämpfung zügig umsetzen werde, warnte aber vor überzogenen Maßnahmen. Hinweise auf einen im Land entstandenen Terrorismus wie in Großbritannien gebe es in Deutschland nicht. Das Gesetz für eine Anti-Terror-Datei soll nach dem Willen der Regierung noch im Herbst verabschiedet werden.

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