Kontingente für Flüchtlinge bleiben
Österreich verweigert Brüssel den Gehorsam

Die EU zeigt Österreich wegen seiner verschärften Flüchtlingspolitik die Gelbe Karte. Die Alpenrepublik hält aber an ihrem Weg fest – und verweist auf eine bisher nicht kritisierte Praxis in Deutschland.

WienÖsterreich hält an seiner deutlich verschärften Flüchtlingspolitik trotz einer Rüge der EU-Kommission fest. Die rot-schwarze Regierung verteidigte die Asyl-Obergrenze und verwies auf die deutsche Praxis an der Grenze.

„Tageskontingente einzuführen war vor Monaten für Deutschland rechtskonform und ist es selbstverständlich auch jetzt für Österreich“, sagte Innenministerin Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) am Donnerstag in Wien. Für Bundeskanzler Werner Faymann (SPÖ) müssen die Juristen rechtliche Fragen klären. „Politisch sage ich: Wir bleiben dabei“, so der Regierungschef vor Beginn des EU-Gipfels in Brüssel. Die EU-Kommission hatte erklärt, die Obergrenzen bei den Flüchtlingszahlen verstießen gegen internationales Recht.

Mikl-Leitner meinte, die deutschen Behörden ließen an der Grenze zu Österreich nur jeweils 50 Migranten pro Stunde passieren mit einer gesamten Tagesobergrenze von 6000. „Für uns ist die Verwunderung über unseren Schritt nicht nachvollziehbar. Deutschland praktiziert dies schon seit Monaten“, sagte die konservative Politikerin am Donnerstag der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Das deutsche Vorgehen habe bei großem Andrang zu einem erheblichen Rückstau von zeitweise 15 000 bis 18 000 Menschen in Transitquartieren in Österreich geführt.

Österreich ist nach den Worten der Ministerin an einer europäischen Lösung interessiert. Diese werde aber noch dauern. „Wir müssen jetzt handeln, sonst kriegen die Nationalisten die Oberhand. Diese Maßnahmen sind nicht gegen Europa, sondern für Europa.“

Die Regierung in Wien hatte Tagesobergrenzen von 3200 Flüchtlingen und eine Höchstzahl von täglich 80 Asylanträgen an der Südgrenze festgelegt. Damit soll die Jahres-Obergrenze von 37.500 Asylbewerbern eingehalten werden. „Alle Maßnahmen werden diesem Ziel untergeordnet. Das wird nicht der letzte Schritt gewesen sein“, so Mikl-Leitner.

Aktuell liegt die Zahl der in Österreich ankommenden Flüchtlinge unter der neuen Obergrenze. An den beiden Grenzübergängen zu Slowenien in Spielfeld und am Karawankentunnel wurden am Donnerstag insgesamt etwa 750 Migranten erwartet. „Alle Züge und Busse wurden von slowenischer Seite storniert“, sagte ein Polizeisprecher am Grenzübergang Karawankentunnel. In Spielfeld wurde mit 750 Flüchtlingen gerechnet.

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