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Prodi sagt Schwarzarbeit den Kampf an

Eine aktuelle Studie zeigt es: Die Schwarzarbeit in Italien hat im vergangenen Jahr nochmals zugenommen. Die neue Regierung unter Romano Prodi, die voraussichtlich noch nächste Woche ernannt wird, will das Problem nun aggressiv angehen.

MAILAND. Ob Handwerker, Friseur oder Architekt – in Italien grassiert die Schwarzarbeit. Wie eine neue Studie zeigt, hat sie im vergangenen Jahr sogar noch zugenommen. Die neue Regierung unter Romano Prodi, die voraussichtlich noch nächste Woche ernannt wird, will das Problem aggressiv angehen. Damit würde sie nach fünf Jahren Silvio Berlusconi eine Trendwende einläuten.

Nach der jüngsten Studie der Gewerkschaft Cgil, die sich auf Daten der Rentenanstalt INPS, des staatlichen Versicherers Inail und der Statistikbehörde Istat stützt, ist die Schwarzarbeit im vergangenen Jahr um vier Prozent gestiegen. Der Anteil der Schwarzarbeit wird auf 16,5 bis 18 Prozent des Bruttoinlandsprodukts geschätzt und entspricht damit einem Umsatz von 172 bis 182 Mrd. Euro. Von knapp 25 Millionen Beschäftigten sollen knapp sechs Millionen Menschen schwarz arbeiten. Den Rentenkassen gingen dadurch 20 Mrd. Euro jährlich verloren, warnen die Gewerkschafter.

In Europa liege bei der Schwarzarbeit damit nur noch Griechenland vor Italien, heißt es in der Studie. Und die Berechnungen der CGIL sind noch sehr vorsichtig. Der Linzer Professor Friedrich Schneider beispielsweise schätzte die Schwarzarbeit 2003 sogar auf mehr Viertel des italienischen Bruttoinlandsprodukts.

„Schwarzarbeit in Nummern zu fassen, ist von Natur aus schwierig“, sagt der Goldman Sachs-Volkswirt Erik Nielsen, „aber es ist ein Problem für Italien, dass angegangen werden muss“. Dabei könne Schwarzarbeit zwar durchaus zur wirtschaftlichen Stabilität beitragen, dem Staat entgingen aber erhebliche Steuereinnahmen, die gerade Italien derzeit dringend braucht.

Durch die Bekämpfung von Steuerhinterziehung und Schwarzarbeit will Romano Prodis Mitte-Links-Koalition das ehrgeizige Ziel erreichen, die Lohnnebenkosten um fünf Prozent zu senken. Für Italien wäre dies ein neuer Kurs. Denn sein Vorgänger Silvio Berlusconi hat zwar auch viel vom Kampf gegen Schwarzarbeit gesprochen, aber wenig getan: „Viele Wörter, keine Fakten“, fast der Arbeitsrechts-Professor Stefano Liebmann von der Universität Bocconi das Ergebnis der Regierung Berlusconi zusammen. Mit seinen Äußerungen, die Verständnis für Steuersünder zeigten, habe er sogar eher ein Klima geschaffen, das Schwarzarbeit noch anheizt.

„Die anhängigen Rechtsverfahren gegen Silvio Berlusconi selbst dürf-ten der Glaubwürdigkeit der Bemühungen seiner Regierung um die Eindämmung der Schwarzarbeit Schaden zugefügt haben“, meint auch Standard & Poor's-Volkswirt Moritz Kraemer. „Romano Prodis Reputation und Persönlichkeit könnten in diesem Zusammenhang konstruktiver wirken.“

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