22.03.2006

Afghanistan: Konvertierter Christ könnte für geisteskrank erklärt werden

Im umstrittenen Prozess gegen einen zum Christentum übergetretenen Afghanen wehrt sich die Regierung in Kabul gegen Kritik aus dem Westen und hat auf die Unabhängigkeit der Justiz gepocht. Staatsanwalt Sarinwal Samari erwägt, den Mann für psychisch gestört zu erklären. Damit könne die Todesstrafe umgangen werden.

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Im Schatten der Moscheen: In Afghanistan soll ein Mann zum Tode verurteilt werden - weil er Christ ist. Foto: dpaLupe

Im Schatten der Moscheen: In Afghanistan soll ein Mann zum Tode verurteilt werden - weil er Christ ist. Foto: dpa

HB KABUL. In Vernehmungen sei der Eindruck entstanden, dass Abdul Rahman geistig nicht in der Lage sein könnte, einem Prozess zu folgen, sagte Samari. „Er könnte geisteskrank sein. Er ist keine normale Person. Er spricht nicht wie eine normale Person“, sagte Samari. Ein Berater von Präsident Hamid Karsai, Moajuddin Balutsch, stellte ebenfalls die Straffreiheit Rahmans in Aussicht. „Wenn sich bei einer ärztlichen Untersuchung herausstellt, dass er geistesgestört ist, hat der Islam kein Recht auf eine Bestrafung. Dann muss ihm vergeben und der Prozess eingestellt werden.“

Rahman ist angeklagt, mit seinem Übertritt zum Christentum vor 16 Jahren den Islam abgelehnt zu haben. Das kann in Afghanistan mit der Todesstrafe geahndet werden. Sein Vater hatte Rahman im Februar im Rahmen eines Sorgerechtsstreites wegen dessen Konversion angezeigt, daraufhin wurde der 41-Jährige verhaftet. Der Prozess begann vergangene Woche.

Nicht zuletzt, weil Rahman vor seiner Rückkehr nach Afghanistan neun Jahre in Deutschland gelebt hat, haben deutsche Politiker den Prozess massiv kritisiert und die Bundesregierung zum Eingreifen aufgefordert. FDP-Generalsekretär Guido Westerwelle erklärte am Mittwoch, Deutschland könne keine Soldaten nach Afghanistan entsenden, „um ein solches Unrecht zu sichern“. Der stellvertretende FDP-Vorsitzende Rainer Brüderle regte die Einstellung der deutschen Hilfe für den Fall an, dass Afghanistan das Rechtssystem des Landes nicht schnell modernisiert.

Die afghanische Regierung wirft Deutschland deswegen Erpressung vor. „Die hitzige und emotionale Reaktion deutscher Politiker ist überzogen und hat bei den Afghanen für Unmut gesorgt“, sagte Wirtschaftsminister Amin Farhang. „Wenn deutsche Politiker indirekt mit dem Abzug der Bundeswehr drohen, dann grenzt das an eine Art von Erpressung.“ Kabul mische sich auch nicht in die inneren Angelegenheiten der Bundesrepublik oder gar in laufende Rechtsverfahren ein, sagte er.

Der Fall ist für die Kabuler Regierung auch deshalb brisant, weil die Bevölkerung eine scharfe Bestrafung Rahmans verlangt. „Wir haben 30 Jahre lang für unsere Religion gekämpft“, sagte ein Nachbar des Angeklagten. „Wir können nicht zulassen, dass ein Afghane uns derartig beleidigt, indem er ein Christ wird.“ Selbst die unabhängige afghanische Menschenrechtskommission verlangt eine Verurteilung des 41-Jährigen, weil er gegen islamisches Recht verstoßen habe.

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