Kooperation mit Tripolis
London untersucht Geheimdienstaktivitäten

Heute ist Gaddafi verfemt. Doch vor seinem Sturz sollen westliche Geheimdienste dem libyschen Herrscher sogar Menschen ans Messer geliefert haben. Jetzt sollen die Vorwürfe geklärt werden.
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LondonNach dem US-Geheimdienst CIA sieht sich nun auch der britische MI-6 Vorwürfen ausgesetzt, mit den Diensten des libyschen Diktators Muammar al-Gaddafi zusammengearbeitet zu haben. Das gehe bis hin zur Auslieferung von Terrorverdächtigten, denen in Libyen Folterungen drohten. Das soll aus in Tripolis aufgetauchten Dokumenten hervorgehen.

Premierminister David Cameron will nun eine Kommission mit der Untersuchung britischer Geheimdienstaktivitäten in Libyen beauftragen. Es gehe dabei allerdings um die Zeit vor dem Amtsantritt der jetzigen britischen Regierung, sagte ein Sprecher Camerons am Montag in London.

Das Komitee unter dem Vorsitz des ehemaligen Richters Sir Peter Gibson war ins Leben gerufen worden, um ähnliche Kritik an den britischen Geheimdiensten nach den Terroranschlägen in New York vom 11. September 2001 nachzugehen.„Wir werden deshalb natürlich diese Vorwürfe einer Beteiligung Großbritanniens an Auslieferungen nach Libyen nachgehen“, sagte eine Sprecherin. „Wir werden von der Regierung und ihren Diensten so schnell wie möglich mehr Informationen verlangen.“ Die Kommission sieht sich jedoch Vorwürfen der Intransparenz ausgesetzt.

Berichten mehrerer britischer Medien zufolge sollen die Geheimdienste Libyens und Großbritanniens daran beteiligt gewesen sein, dass ein Terrorverdächtiger und dessen Familie nach Tripolis gebracht wurden. Es soll sich um den neuen Militärkommandanten von Tripolis, Abdelhakim Belhadsch, handeln, der nach eigenen Angaben 2004 an Gaddafis Regime ausgeliefert und gefoltert worden war. Er fordert der Zeitung „The Times“ zufolge eine
Entschuldigung von der britischen Regierung und droht mit einer Klage.

Der Mann soll nach seiner Auslieferung sieben Jahre lang unter Terrorverdacht in Libyen im Gefängnis gesessen haben. Dort sei er auch von Mitarbeitern der britische Geheimdienste MI-5 und MI-6 befragt worden, die an seiner Vergangenheit als Mitglied islamistischer Gruppen interessiert gewesen seien, hieß es. Der US-Geheimdienst CIA soll achtmal Terrorverdächtige gegen ihren Willen nach Libyen gebracht haben. Die Berichte stützen sich auf Dokumente, die die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) nach eigenen Angaben in der Zentrale des Auslandsgeheimdienstes in Tripolis gefunden hat.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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