Kooperation schon besser, aber nicht optimal
Iran-Konflikt: Atomenergiebehörde wird ungeduldig

Die Internationale Atomenergie-Organisation (IAEO) hat vom Iran verlangt, mehr Informationen über das umstrittene Atomprogramm vorzulegen. Die Behörde müsse sich ein abschließendes Urteil bilden, sagte IAEO-Generaldirektor Mohammed el Baradei.

HB WIEN. Die Internationale Atomenergie-Organisation (IAEO) verlangt von Iran mehr Informationen über sein umstrittenes Atomprogramm. Teheran müsse vor allem eine „vollständige Liste aller importierten Ausrüstung und Komponenten“ vorlegen, an denen Spuren von angereichertem Uran entdeckt worden waren, forderte IAEO- Generaldirektor Mohammed el Baradei am Montag in Wien vor dem Gouverneursrat der IAEO. Vor allem müsse die Herkunft dieser Technik geklärt werden. Sie soll aus Pakistan stammen, was dieses Land aber bestreitet.

„Wir verstehen das iranische Nuklearprogramm jetzt besser denn je, aber viel dringende und substanzielle Arbeit muss noch bewältigt werden, bevor die Organisation Schlussfolgerungen aus dem Programm ziehen kann“, sagte El Baradei vor dem IAEO-Führungsgremium weiter.

Der Gouverneursrat beschäftigt sich mit dem Wunsch der USA, Iran wegen angeblicher Verstöße gegen die IAEO-Regeln und die verbotene Verbreitung von Atomwaffen zu verurteilen. Washington will damit erreichen, dass sich der UN-Sicherheitsrat mit dem iranischen Nuklearprogramm befasst, der Sanktionen gegen Teheran verhängen kann. Iran hat dagegen stets behauptet, das Nuklearprogramm diene ausschließlich der zivilen Energieerzeugung. Atomwaffen würden nicht angestrebt.

El Baradei bescheinigte den iranischen Behörden, seit Juli besser denn je mit der IAEO zu kooperieren, auch wenn viele Informationen nur bruchstückweise geliefert würden und zum Teil widersprüchlich seien. Das Land müsse seiner Organisation alle Fragen zu den bereits getesteten Gas-Zentrifugen beantworten. Auch alle Experimente zur Anreicherung von Uran müssten offen gelegt werden. Schließlich solle Iran mit der IAEO das Zusatzprotokoll zum Atomwaffensperrvertrag unterzeichnen, das den Inspekteuren umfassende und unangemeldete Kontrollen der iranischen Nuklearanlagen ermöglicht.

Hintergrund ist die vor einem Jahr durch Spionagesatelliten entdeckte geheime Uran-Aufbereitungsanlage bei der iranischen Stadt Natanz (160 Kilometer südöstlich von Teheran) und eine Fabrik zur Produktion von Schwerem Wasser bei der Stadt Arak (200 Kilometer südwestlich der Hauptstadt). In Natanz ist nach Angaben der IAEO ein „großer unterirdischer Nuklearkomplex“ fast fertig gestellt. In diesem Sommer hatten Inspekteure der Wiener Behörde dort zwei verschiedene hochangereicherte Isotope entdeckt, die auf waffentaugliches Uran schließen lassen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%