Kooperation
USA bieten Moskau Atompakt an

Die US-Regierung will Russland eine umfassende Kooperation in Nuklearfragen anbieten. Im Gegenzug erhofft sich Washington von Moskau Unterstützung im Atomkonflikt mit Iran. Entsprechende Berichte amerikanischer Zeitungen hat das Weiße Haus am Wochenende bestätigt.

WASHINGTON. Der Schwenk in der Russlandpolitik der USA kommt eine Woche vor dem Treffen der sieben wichtigsten Industrienationen und Russlands (G8). Den Plänen zufolge könnte Russland künftig die Entsorgung von verbrauchtem Nuklearmaterial übernehmen, das aus von den USA mit Brennstoff versorgten Reaktoren stammt. Bislang waren solche Vereinbarungen gescheitert, weil das Weiße Haus Zweifel an den Sicherheitsstandards der russischen Atombranche hegte und sich an der Zusammenarbeit zwischen Moskau und Teheran in Nuklearfragen störte. So wurde der iranische Reaktor in Buschehr vor allem mit russischer Technologie gebaut. Möglicherweise werden die Grundzüge der angepeilten Kooperation bereits Ende der Woche auf dem G8-Gipfel Ende in Sankt Petersburg erklärt.

Auslöser für die Neuorientierung der US-Politik war Moskaus Zugeständnis aus dem vergangenen Jahr, Teheran die Urananreicherung auf russischem Boden anzubieten. Es mache wenig Sinn, eine weitere zivile Kooperation mit dem Kreml zu verhindern, wenn man Russland gleichzeitig die Verantwortung bei der Urananreicherung für Iran überlasse, hieß es aus dem Weißen Haus.

Für Moskau ließe sich mit einer solchen Vereinbarung viel Geld verdienen. Das Problem der Lagerung von verbrauchtem Nuklearmaterial wird mit jedem Jahr drängender. Insbesondere jene Länder, die Kernbrennstoff aus den USA erwerben, sind bisher vertraglich daran gehindert, die Rückstände nach Russland zu verkaufen. Während damit Staaten wie Taiwan oder Südkorea eine Tür geöffnet werden könnte, ist bislang unklar, ob eine Vereinbarung auch den Transfer von verbrauchtem Kernmaterial aus den USA selbst nach Russland umfassen würde.

In der Kontroverse um das iranische Atomprogramm haben Russland und China bisher bestenfalls nur zögerlich den Kurs der USA und Europas unterstützt. Politisch will Moskau mit seiner Haltung die globale US-Dominanz einschränken und sich zugleich auch weiterhin nicht die guten Geschäfte mit Iran verbauen. Denn sollte der Konflikt mit Teheran nicht auf dem Verhandlungsweg gelöst werden, drohen als nächste Eskalationsstufe Uno-Sanktionen. Russland und auch China, das an iranischen Energielieferungen interessiert ist, könnten die größten Verlierer eines Sanktionsregimes sein. Das amerikanische Nuklearangebot wäre dafür zumindest für Russland eine Kompensation.

Dabei hatte die US-Administration die russische Politik und Präsident Wladimir Putin in den letzten Monaten mehrfach scharf kritisiert. So hatte Vizepräsident Dick Cheney Russland im Mai während einer Litauen-Reise vorgeworfen, die Menschenrechte zu missachten und die Energieabhängigkeit der Nachbarn politisch auszunutzen. Dies sagte Cheney vor allem mit Blick auf den Gasstreit zwischen Russland und der Ukraine zu Jahresbeginn.

Die jetzige Annäherung kommt für Beobachter jedoch nicht völlig überraschend: „Üblicherweise fallen die harten Worte stets vor einer Begegnung, damit dann während des Treffens wieder freundlicher miteinander umgegangen werden kann“, sagt Stephen Sestanovich, Russland-Experte am Council on Foreign Relations in Washington. Russland hatte bereits im Vorfeld des G8-Gipfels immer wieder das Energiethema in den Mittelpunkt gerückt. Der Chef der russischen Atomenergieagentur (Rosatom), Segej Kirijenko, hatte vor wenigen Wochen bei einem Besuch in Washington stark für eine Kooperation mit den USA geworben.

Markus Ziener ist Korrespondent in Washington.
Markus Ziener
Handelsblatt / Korrespondent
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