Kooperation vereinbart
Russland baut chinesisches Atomkraftwerk

Russland soll in China ein Atomkraftwerk mit einem Auftragsvolumen von einer Milliarde Dollar (670 Millionen Euro) bauen. Ein entsprechender Vertrag wurde während des Antrittsbesuchs des neuen russischen Präsidenten Dmitri Medwedjew in Peking unterzeichnet. Eine deutliche Botschaft sendeten beide Länder dabei auch an die USA.

HB PEKING. Russland und China haben ein Atomgeschäft geschlossen: Geplant ist der Bau einer modernen Anlage zur Anreicherung von Uran mit Gaszentrifugen in China durch russische Unternehmen und die Lieferung von leicht angereichertem Uran aus Russland über die nächsten zehn Jahre. Das vereinbarten der neue russische Präsident Dmitri Medwedjew und Chinas Staats- und Parteichef Hu Jintao am Freitag in Peking. Beide Seiten unterzeichneten eine gemeinsame Erklärung und andere Abkommen.

Ein geplantes Treffen zwischen Medwedjew und Regierungschef Wen Jiabao am Samstag wurde kurzfristig abgesagt, weil der Premier erneut ins Erdbebengebiet nach Südwestchina gereist ist. Bei seinem Treffen mit Hu Jintao sprach Medwedjew den Angehörigen der Erdbebenopfer sein Beileid aus und bot weitere Hilfe an, wie das Staatsfernsehen berichtete.

Chinas Präsident sprach sich dafür aus, die Ungleichgewichte im Handel zwischen beiden Ländern abzubauen. Hu Jintao spielte damit auf den chinesischen Handelsüberschuss und den russischen Wunsch an, statt vornehmlich Energie auch Maschinen nach China zu exportieren.

Gegen Dominanz der USA

Beide Präsidenten erneuerten zudem ihren Widerstand gegen die US-Pläne zum Bau eines Raketenabwehrsystems. China und Russland betrachten ihr Verhältnis als Gegengewicht gegen eine weltweite Dominanz der USA. Dennoch gibt es Reibereien zwischen beiden Nachbarn, besonders wegen der Öl- und Gasvorkommen in Zentralasien.

Moskau betrachtet diese Region nach wie vor als seinen eigenen Hinterhof und dokumentierte diesen Anspruch mit Medwedjew Zwischenstopp in Kasachstan vor seiner Reise nach Peking. „Russland ist besorgt über Chinas stille Expansion in Zentralasien“, erklärt Fjodor Lukjanow, Herausgeber des Fachmagazins „Russia in Global Affairs“. China hat einen Vertrag über eine Ölpipeline mit Kasachstan geschlossen und verhandelt derzeit mit Turkmenistan über ein Gasabkommen.

Am Freitag hoben Moskau und Peking aber ihre Gemeinsamkeiten hervor. „Russland und China sind strategische Partner“, sagte Medwedjew. Hu habe zu Recht auf die große Symbolkraft seiner Reise nach China hingewiesen. „Es ist wichtig, dass es keine Pausen in unseren Beziehungen gibt.“ Medwedjew sprach der chinesischen Führung außerdem sein Beileid für die Zehntausende von Toten bei dem jüngsten Erdbeben aus und erneuerte das russische Hilfsangebot.

Auf wirtschaftlichem Gebiet hinken die Beziehungen beider Ländern den Ansprüchen weit hinterher. Der bilaterale Handel wuchs im vergangenen Jahr um ein Drittel auf lediglich umgerechnet 31 Milliarden Euro. Das macht aber nur zwei Prozent des gesamten chinesischen Außenhandels aus. Das chinesische Handelsvolumen beispielsweise mit den USA ist acht Mal größer.

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