Koordinationsdefizit und Stigmatisierung der Opfer erschweren Kampf gegen Aids
Uno warnt vor Geldmangel

Die tödliche Immunschwächekrankheit Aids breitet sich weltweit immer schneller aus: Mehr Menschen als je zuvor haben sich mit dem HI-Virus infiziert, warnen die Vereinten Nationen, mehr Menschen als je zuvor sind an Aids gestorben. Der Mangel an billigen Medikamenten erschwert den Kampf gegen die Epedemie.

GENF. Aids ist offenbar nicht mehr zu stoppen. Im vergangenen Jahr steckten sich fast fünf Millionen Menschen weltweit neu mit HIV an – mehr als in irgendeinem Jahr zuvor. Das zeigt der am Dienstag vorgelegte Bericht der Uno-Organisation UNAIDS für das Jahr 2003. Direktor Peter Piot: „Die Epidemie ist schneller als die globale Abwehr“. Er fordert, die Krankheit endlich als globale Herausforderung zu begreifen. Inzwischen ist Aids in jeder Region der Welt auf dem Vormarsch. Die Zahl der HIV/Aids-Patienten stieg weltweit auf rund 38 Millionen.

Im Kampf gegen die Seuche fehlt es vor allem am Geld. Zwar standen 2003 rund fünf Milliarden Dollar weltweit bereit. Doch benötigten allein die Entwicklungsländer im Jahr 2006 rund zwölf Milliarden Dollar. Diese Summe dürfte sich nach Befürchtungen der UNAIDS-Experten noch um mehrere Milliarden Dollar in den nächsten Jahren erhöhen. Das Geld soll vor allem in die so genannte antiretrovirale Therapie (ARV) fließen. Zwar kann eine solche Behandlung keine völlige Genesung bringen, jedoch wird die Krankheit abgemildert und die Betroffenen leben zum Teil länger. Noch aber bleibt die ARV-Therapie für die meisten Aidskranken in Afrika und anderen Entwicklungsländern ein Wunschtraum: Nur sieben Prozent haben Zugang zu der Behandlung.

Allerdings räumt UNAIDS auch ein, dass es mit der Koordination der Helfer oft hapert: Zu viele Organisationen haben inzwischen Aids- Fonds aufgelegt. Das Resultat: Eine unverantwortliche „Duplikation der Hilfe“, die nicht zu Wettbewerb, sondern zu Verwirrung führt. „Eine effektive Koordination der Hilfe rettet Leben in Entwicklungsländern“, sagt Piot. „Wir haben hart gekämpft, um das Geld zu erhalten. Jetzt müssen wir es auch weise ausgeben.“

Behindert wird der Kampf gegen Aids auch durch die Stigmatisierung der Opfer. Bestimmte „Hoch- Risiko-Gruppen“ wie Drogenkonsumenten oder Homosexuelle „bekommen keine Therapie und bleiben von allen Programmen ausgeschlossen“, berichtet die Uno. Zudem fehle in vielen betroffenen Ländern der politische Wille, energisch gegen die Seuche vorzugehen. Auch gingen zu viele Ressourcen durch bürokratische Prozeduren verloren.

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