Kopenhagen
Besucher-Chaos bremst den Mammutgipfel aus

Der Klimagipfel in Kopenhagen steckt im Besucherchaos. Teils bis zu acht Stunden warten manche Besucher - nur um dann trotzdem am Eingang abgewiesen zu werden. Eine Reportage aus der Warteschlange zwischen Pappbechern und Absperrgittern.
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KOPENHAGEN. Die Veranstalter haben dazugelernt: Am Dienstag reichen sie den Wartenden Kaffee. Hunderte Thermoskannen türmen sich bei Polizei und Ordnungskräften. Die Leute in der Warteschlange stecken ihre Hände zwischen den Drähten der vier Meter hohen Absperrgitter hindurch, die Uniformierten reichen ihnen Pappbecher. Das Bild hat etwas von Armenspeisung. Die vielen Tausend Besucher aus aller Welt, die anstehen, um zur Weltklimakonferenz auf dem Kopenhagener Messegelände "Bella Center" vorgelassen zu werden, lächeln dankbar.

Immerhin werden sie besser betreut als die Wartenden am Montag, als das Chaos in Kopenhagen losbrach. Dafür sind am Dienstag die Witterungsbedingungen widriger: Der Schneefall wird am Nachmittag stärker, es ist bitterkalt. Die Journalisten unter den Wartenden machen eine neue Erfahrung. Diesmal berichten sie nicht nur über das Chaos, sie stehen selbst mitten drin. Gemeinsam mit Umweltschützern, Wissenschaftlern und den Delegierten von Wirtschaftsverbänden und Unternehmen warten sie in der Kälte. Nur wer das begehrte Zugangsticket bekommt, kann mitreden in Kopenhagen. Die anderen müssen draußen bleiben - auch wenn sie sich bereits vor einigen Monaten ordnungsgemäß angemeldet haben.

Manche standen am Montag mehr als acht Stunden draußen in der Schlange zwischen der Metro-Station und dem Eingang zum Kongresszentrum - und wurden am Ende abgewiesen. Am Dienstag müssen sie einen neuen Anlauf machen. Und wieder sind ein paar Stunden in der Kälte fällig. Bis zum Ende der Woche, wenn der Weltklimagipfel auf den Abschluss zusteuert, werden noch Tausende neuer Gäste erwartet. Offenbar sind die gastgebenden Dänen und das Klimasekretariat der Uno nicht in der Lage, die gewaltigen Menschenströme zu kanalisieren.

Längst beeinträchtigt das Organisationschaos den Ablauf des Gipfels. Delegationen warten auf ihre Mitarbeiter, Verabredungen platzen, Veranstaltungen stehen auf der Kippe. Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI), der angereist ist, um auf der Konferenz Flagge zu zeigen, entscheidet erst in letzter Sekunde, seine Abendveranstaltung am Dienstag mit prominenten Managern doch noch stattfinden zu lassen. Das für Donnerstag vorgesehene Treffen mit einer ganzen Reihe von Chefs großer Unternehmen wird möglicherweise jedoch noch gestrichen. Warum mit Gewalt einen Programmpunkt durchziehen, wenn die Hälfte der Adressaten sowieso nicht bis zur Veranstaltung durchdringen kann?

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