Kopenhagen
Entwicklungsländer fordern konkrete Zusagen

Die Entwicklungs- und Schwellenländer haben am zweiten Tag des Weltklimagipfels in Kopenhagen auf ehrgeizigere und konkrete Zusagen der Industriestaaten gedrungen. Die großen Streitfragen werden aber wohl erst zum Ende des Gipfels entschieden werden. Eine Entscheidung der US-Umweltbehörde EPA schürt jedoch Hoffnungen auf konkrete Beschlüsse.
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HB KOPENHAGEN/WASHINGTON. Die von den reichen Ländern zugesagten Emissionssenkungen reichten bei weitem nicht aus, kritisierte eine Gruppe von Inselstaaten am Dienstag. Zurückhaltend aufgenommen wurde die Entscheidung der US-Umweltbehörde EPA, den Ausstoß von Klimagasen in den Vereinigten Staaten gegebenenfalls auch ohne neue Gesetze des Kongresses zu begrenzen.

Der Chef des Uno-Klimasekretariats, Yvo de Boer, sprach von einem guten Start des Klimagipfels, dessen 15 000 Teilnehmer am Montag die Arbeit aufgenommen hatten. Die großen Streitfragen wie die Emissionssenkungsziele würden aber wohl erst zum Abschluss des Treffens am 18. Dezember ausgeräumt werden, wenn mehr als 100 Staats- und Regierungschefs ihr Kommen angekündigt haben.

Die Vorsitzende der 43 Länder umfassenden Allianz kleiner Inselstaaten (Aosis), die Grenaderin Dessima Williams, forderte bis zum Jahr 2020 Emissionssenkungen von 45 Prozent im Vergleich zu 1990. Deutschland peile aber nur 40 Prozent an, die EU insgesamt und einige Staaten 30 Prozent, kritisierte sie. Nötig seien jetzt ehrgeizige Ziele. Einer Studie der Internationalen Migrationsorganisation zufolge könnte der Klimawandel in den kommenden 40 Jahren bis zu einer Milliarde Menschen zu Flüchtlingen machen.

China hat die Klimaschutzziele der EU, der USA und Japans allerdings scharf kritisiert. Industrieländer sollten ihre „historische Verantwortung“ für den Klimawandel anerkennen, sagte der chinesische Verhandlungsführer Su Wei. Sie sollten ihre Treibhausgase um wirklich große Mengen verringern. „Die Emissionen der USA steigen noch immer, obwohl das Land schon lange voll industrialisiert ist“, sagte Su mit Blick auf Forderungen der Industrieländer nach einer Begrenzung der chinesischen Emissionen.

Für die EU rechnete Su trickreich vor, dass sie ab 2013 den Treibhausgasausstoß pro Jahr angeblich viel weniger reduzieren wolle als bislang. Auch das japanische Ziel, die Treibhausgase von 1990 bis 2020 um 25 Prozent zu reduzieren, genüge voraussichtlich nicht. Das Ziel von US-Präsident Barack Obama, die Treibhausgase von 2005 bis 2020 um 17 Prozent zu reduzieren sei nicht der Rede wert.

Zudem kritisierte Su die vom UN-Klimachef Yvo de Boer vorgeschlagene Soforthilfe für Entwicklungsländer von je zehn Mrd. Dollar (6,7 Mrd. Euro) in den Jahren 2010 bis 2012. „10 Mrd. Dollar sind weltweit gesehen nicht einmal zwei Dollar pro Person“, sagte Su, dafür könne man sich in Kopenhagen nicht einmal eine Tasse Kaffee kaufen.

Die chinesischen Klimaziele entsprächen hingegen den Anforderungen der Klimarahmenkonvention an Entwicklungsländer. China möchte seine Treibhausgase - gemessen am Wirtschaftswachstum - in den Jahren 2005 bis 2020 um 40 bis 45 Prozent reduzieren.

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