Kopenhagen
Indiens Umweltminister mischt Klimagespräche auf

Zwei Monate vor den Verhandlungen über ein neues Abkommen gegen den Treibhauseffekt hat der indische Umweltminister Jairam Ramesh deutlich gemacht, dass Indien zu internationalen Verpflichtungen bereit ist. Und noch aus einer ganz anderen Ecke kamen in Kopenhagen gute Nachrichten für den Klimaschutz.
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KOPENHAGEN. Internationale Journalisten-Kongresse sind nicht unbedingt bekannt dafür, dass sie relevante News produzieren. Anders das Treffen des amerikanischen Autoren-Netzwerks Project Syndicate am Wochenende in Kopenhagen. Zwei Monate vor den Verhandlungen über ein neues Abkommen gegen den Treibhauseffekt nutzte der indische Umweltminister Jairam Ramesh eine Rede vor den rund 300 Journalisten aus aller Welt, um die Klima-Verhandlungen einmal nicht hinter verschlossenen Türen und mit verschwiemelten Formulierungen zu führen, sondern auf offener Bühne in klaren Worten: "Wir können in Kopenhagen echte Fortschritte vereinbaren. Aber wenn die EU weiter die Architektur der bisherigen Vereinbarungen gefährdet, gibt es keinen Deal."

Mit wallender Mähne, triumphierendem Blick, in traditionelle enge, strahlend weiße indische Hosen gekleidet, trat Ramesh eher auf wie ein voll unter Strom stehender Motivationstrainer als wie ein diskret-betulicher Minister. Und genauso hämmerte er seine Sätze, die sich vor allem an die Verhandlungspartner richteten, ins Publikum: "Wir können uns auf drei Dinge verständigen: Finanzhilfen für die ärmsten Länder, Aufforstung und einen Rahmen für technologische Kooperation. Und dann kommen wir wieder nach Kopenhagen, wenn es hier wärmer ist, um ein breiteres Abkommen zu vereinbaren."

Was nach einer knallharten Position und Ablehnung eigener Zugeständnisse klang, war allerdings in der Sache durchaus konstruktiv. Auf Nachfragen machte der schlagfertige Schnelldenker Ramesh deutlich, dass Indien zu internationalen Verpflichtungen bereit sei - nur nicht zu "rechtlich verbindlichen Zielen für die Minderung der CO2-Emissionen, denn die müssen wir laut Kyoto-Vertrag nicht vorlegen." Dann aber zählt er auf, in welcher Weise Indien tätig werden könne, um seine Klimagase zu kontrollieren: "Wir machen nationale Gesetze über Energieeffizienz, schreiben verbindliche Standards für Brennstoffeffizienz vor, werden also letzten Endes unsere Emissionen senken."

Experten wie der britische Regierungsberater Nicholas Stern waren hocherfreut über Rameshs Worte. "Wir sind in einer Übergangsperiode für die Schwellenländer. Da sind nationale Programme hilfreich. Genau das hat Ramesh angedeutet". Erst in zehn Jahren sollten alle großen Länder international verbindliche Zielwerte haben. In Kopenhagen gehe es darum, Vertrauen zu schaffen - durch eine Vereinbarung über die drei Punkte, die Ramesh nannte, und durch verbindliche Emissionsgrenzen für die entwickelten Länder, also vor allem EU und USA.

Und noch aus einer ganz anderen Ecke kamen in Kopenhagen gute Nachrichten für den Klimaschutz: George Soros, der zu den Gründern von Project Syndicate gehört, kündigte an, dass er eine Milliarde Euro investieren werde in eine neue Technologie, um Kohle ohne CO2-Ausstoß verstromen zu können. "Die Technik ist schon klar, nur großtechnologisch funktioniert sie noch nicht." Angesichts dieser Größenordnung seines Investments verblasste fast eine weitere Ankündigung: Am 12. November werde er in Berlin eine neue Klimastiftung vorstellen. Startkapital: "nur" zehn Millionen Euro. Da bekamen einige Zuhörer in Kopenhagen leuchtende Augen.

Thomas Hanke
Thomas Hanke
Handelsblatt / Korrespondent in Paris

Kommentare zu " Kopenhagen: Indiens Umweltminister mischt Klimagespräche auf"

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  • Das ist eine Falschmeldung.
    Der indische Umweltminister Jairam Ramesh hatte dem iPCC wiederholt vorgeworfen, die Himalaja-Prognose "ohne einen Hauch von wissenschaftlichem beweis" erstellt zu haben.
    Auch hat er von vorherein angekündigt kein Abkommen in Kopenhagen zu unterzeicnen.
    Liebe Redaktion: Welchem Herrn diehnen Sie?
    Die Wahrheit kommt raus, früher oder später!
    Gruß Gerhard Schweickhardt

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