Korea-Konflikt: Kim Jong Un nimmt den Finger von der Bombe

Korea-Konflikt
Kim Jong Un nimmt den Finger von der Bombe

Nordkorea lenkt im Konflikt mit den USA und Südkorea offenbar ein. Das Land hat unter anderem seine Mittelstreckenraketen wieder zurückgeholt. Auch ein Dialog scheint wieder möglich – allerdings nur unter Bedingungen.

SeoulDie Chancen für einen Dialog im Dauerkonflikt um das nordkoreanische Atomprogramm stehen im Prinzip günstig. Das kommunistische Regime in Pjöngjang hat seine gegen die USA und Südkorea gerichtete Kriegsrhetorik und Drohungen mit einem Atomwaffeneinsatz aus den vergangenen Wochen spürbar zurückgefahren. Auch Beobachtungen in Washington und Seoul, dass Nordkorea zwei Mittelstreckenraketen an der Ostküste aus der Startposition wieder zurückgeholt hat, nähren die Hoffnung auf eine Entspannung. Darüber hinaus sprachen die USA und Nordkorea zuletzt wieder öffentlich über die Möglichkeiten eines Dialogs.

Allerdings stellen beide Bedingungen, die für die Gegenseite inakzeptabel sind. Nordkorea verlangt unter anderem eine Aufhebung aller Sanktionen, die wegen seiner Raketenstarts und Atomtests verhängt wurden. Washington will von Pjöngjang konkrete Schritte hin zu einer atomaren Abrüstung sehen. Ob die jüngsten Signale auf eine längere Entspannungsphase hindeuten oder sich als Illusion erweisen, ist die bange Frage, die sich die Menschen in der Region im Moment stellen.

Auch Südkoreas Präsidentin Park Geun Hye sieht eine Deeskalation im Gange. Was aber die Absichten des nordkoreanischen Machthabers Kim Jong Un und seinen Generälen sind, bleibt im Dunkeln: „Warum scheint Nordkorea seine Drohungen und Provokationen zu deeskalieren? Das können wir nicht mit Sicherheit wissen“, sagte Park am Dienstag bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit US-Präsident Barack Obama in Washington. Ähnlich sehen das auch die USA: „Es ist zu früh zu beurteilen, ob Nordkoreas Provokationszyklus sich nach oben, nach unten oder im Zickzack-Kurs bewegt“, sagte der Leiter für Asien-Angelegenheiten im Nationalen Sicherheitsrat der USA, Daniel Russel, vor dem Treffen Obamas mit Park, vor Journalisten.

Das Treffen selbst förderte keine neue Initiative zutage. Obama erklärte zwar, dass Parks Konzept einer neuen Vertrauenspolitik gegenüber Pjöngjang, die zugleich auf einer strikten militärischen Verteidigungsstellung fußt, „sehr kompatibel“ mit seiner Vorgehensweise sei. Die Tür für einen Dialog bleibe nach wie vor geöffnet. Doch unterstrich Obama, dass der Ball jetzt im Feld von Pjöngjang liege. Gemeinsam mit ihrem Verbündeten Südkorea würden die USA strikt auf künftige Provokationen antworten.

Das dürfte nach Ansicht von Beobachtern zu wenig sein, um das unter starkem internationalen Druck stehende Regime zu einem Kurswechsel zu bewegen. Pjöngjang machte in den vergangenen Wochen unmissverständlich klar, dass seine Kernwaffen nicht verhandelbar seien. Das Land will als vollwertige Atommacht anerkannt werden.

„Solange die USA eine strikte anti-nordkoreanische Politik verfolgen, wird es keine Chance auf bessere innerkoreanische Beziehungen geben“, glaubt Leonid Petrow von der Australischen Nationaluniversität in Canberra. Der Nordkorea-Kenner hält weitere Provokationen für möglich. „Nordkorea wird sich weiter auf einen Krieg gegen die USA vorbereiten, seine Massenvernichtungswaffen testen und Interkontinentalraketen starten.“ Gespräche seien möglich und auch ratsam, doch nur zwischen Pjöngjang und Washington. Da es aber auf die Regierung von Obama ankomme, diese Chance auch wahrzunehmen, werde es wahrscheinlich auch keine baldigen Gespräche geben.

Auch der frühere sicherheitspolitische Experte im US-Außenministerium, Joel Wit, warnte, dass die Probleme blieben. In kürzester Zeit könnten sich die USA sowie die beiden Koreas wieder in der Lage einer „angespannten Konfrontation“ zurückversetzt fühlen, schrieb er gemeinsam mit der Forscherin Jenny Town vom US-Korea-Institut in „The Atlantic“. „Angesichts dieser Gefahr könnte es jetzt der richtige Zeitpunkt sein, einen Dialog mit Nordkorea zu beginnen um zu sehen, ob es einen friedlichen Weg vorwärts gibt.“

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
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