Korruption: Chinas gierige Generäle

Korruption
Chinas gierige Generäle

Ein Waschbecken und eine Mao-Statue aus purem Gold fanden Ermittler bei „General Goldfinger“ Gu Junshan. Nun muss er vor Gericht. Chinas Präsident bekämpft die Korruption in der Armee – und fördert skurrile Dinge zutage.
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PekingMan stelle sich vor, ein Top-General der Bundeswehr hätte Beförderungen für Beträge von mehreren Hunderttausend Euro verkauft. Er wäre zudem für Liegenschaften der Armee zuständig gewesen und hätte bei jedem Geschäft eine dicke Provision behalten. Die Beschaffung von Gütern wie Uniformen oder Lebensmitteln wäre ebenfalls in seinen Bereich gefallen, und er hätte bei den Lieferanten ebenfalls seinen Schnitt gemacht.

In China absolut möglich. Denn so lauten die Vorwürfe gegen General Gu Junshan von der Volksbefreiungsarmee. Wo schon im Falle der kleinen deutschen Bundeswehr ein Vermögen zustande gekommen wäre, war in China ein kleines Königreich drin. Schließlich leistet sich das fernöstliche Land die größte Armee der Welt: Mehr als zwei Millionen Männer und Frauen dienen unter dem roten Stern.

Als die Ermittler in Gus palastartigen Residenz anrückten, brauchten sie vier Lastwagen, um allein die wertvollen Kunstgegenstände aus dessen Besitz abzutransportieren. Besondere Aufmerksamkeit erregten die Preziosen aus purem Gold, darunter eine kleine Statue des früheren Machthabers Mao Zedong, ebenso ein massivgoldenes Modellboot und ein Waschbecken. Der größte Teil des Vermögens lagerte jedoch in Form von Goldbarren und Bargeld in Tresoren.


Wegen seiner Gier nach Reichtümern kommt „General Goldfinger“ Gu Junshan nun vors Kriegsgericht – die amtliche Nachrichtenagentur „Xinhua” hat in diesen Tagen das Verfahren gegen ihn angekündigt. Eine harte Strafe ist ihm sicher. Denn in China ist nicht nur ein verblüffendes Ausmaß an Korruption möglich. Der politische Wind kann sich ebenso verblüffend schnell drehen. Seit Gründung der Volksrepublik vor 65 Jahren hat das Land immer wieder steile Karrieren und ebenso steile Abstürze erlebt.

Über Gu hatte ein zweiter, noch höherrangiger General jahrelang eine schützende Hand gehalten. Xu Caihou war stellvertretender Vorsitzender der Militärkommission der Partei – jener Institution, die das hochgerüstete Millionenheer letztlich kontrolliert, oder zumindest kontrollieren sollte. Xu wurde jedoch 2012 pensioniert. Und in der Militärkommission weht nach einem kompletten Führungswechsel ein komplett anderer Wind.

Seitdem ist Präsident Xi Jinping der Vorsitzende der Kommission – und räumt dort kräftig auf. Nachdem die Ermittler bei Gu überreichliche Beweise für Bestechlichkeit und Vorteilsnahme hatten, ließ Xi auch dessen Patron Xu zum Verhör zerren – ohne jede Rücksicht darauf, dass Xu sich krebskrank im Militärkrankenhaus Nummer 301 in Peking in Behandlung befand. Zur Verhaftung des kranken alten Mannes waren Dutzende bewaffneter Polizisten dort eingerückt.

Kommentare zu " Korruption: Chinas gierige Generäle"

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  • Das Problem der Korruption ist nahezu so alt wie die Menschheit selbst und es ist unabhängig vom politischen System. Es spielt keine Rolle, ob im Kapitalismus oder Kommunismus. Solange die vorherrschende Meinung überwiegt, dass ein einzelner Mensch "mehr wert" ist wenn er mehr Reichtum anhäuft, egal ob in Form von Geld, Gold oder Sachwerten, solange wird sich am Problem der Korruption nie etwas ändern. Da helfen auch keine Gesetze, Strafen, Drohungen oder Folter. Jeder einzelne muss sich selbst darüber im Klaren werden, dass es auf den Menschen selber, seinen Charakter, sein Handeln ankommt.

  • Ich finde die Berichte über Korruption im Ausland immer sehr erfrichend, als wenn es bei uns anders wäre. Ein prominentes Beispiel Exkanzler Kohl und die schwarzen Koffer, er hat die Parteispenden nicht offengelegt, sich damit über das Grundgesetz getellt und wird heute über hofiert und gefeiert, der gehört in den Knast

  • Kommunismus gibt es nur für die Parteikader, so war es schon immer in der dieser Gesellschaftordnung.

    Korruption, ist ein großes Übel was nicht ausrottbar ist, auch nicht in Deutschland. Möchte nicht wissen wie tief mache Politikertaschen hier zu Lande sind.

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