Korruption in Italien

Die Winkelzüge der Mafia von Rom

Flüchtlinge waren die Spezialität der Mafia in Rom. Aber auch öffentliche Aufträge rund um Sinti und Roma brachten gutes Geld. Bis die Polizei diese Woche 37 Menschen festnahm. Nun gibt es ein politisches Erdbeben.
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RomDie Ermittlungen rund um die „Mafia Capitale“ – die Hauptstadt-Mafia – bringen fast täglich neue Details zutage: Mittlerweile nahm die Polizei insgesamt 37 Menschen fest. Flüchtlinge und Sinti und Roma hatten der kriminellen Gruppe in der italienischen Hauptstadt Rom jahrelang gutes Geld eingebracht. Im Zuge der manipulierten Aufträge fallen Namen von Politikern, von ehemaligen Polizeipräsidenten und von stadtbekannten Kriminellen wie dem 56-jährigen Massimo Carminati.

Der Skandal betrifft vor allem die Regierungszeit des Bürgermeisters Gianni Alemanno vom Mitte-Rechts-Bündnis, der bis 2013 die Hauptstadt regierte. Alemanno gehörte in seiner Jugend ebenso wie Carminati der neofaschistischen Partei „MSI“ an. Während Alemanno den offiziellen Weg durch die politischen Institutionen wählte, schlug Carminati den radikalen Weg ein und schloss sich der rechten Terrorgruppe „Nuclei Armati Rivoluzionari“ an. Später wurde Carminati Mitglied der berüchtigten „Banda della Magliana“.

1998 wurde Carminati wegen seiner Taten bei der mörderischen Bande zu zehn Jahren Haft verurteilt. Nachdem er eine Weile ins Ausland abgetaucht war, kehrte er erst vor ein paar Jahren nach Rom zurück. Dort baute er auf seine alten Kontakten auf und kreierte seine eigene kleine Mafia in der Hauptstadt.

Aber nicht nur die rechten Politiker haben bei den Machenschaften der „Mafia Capitale“ Dreck am Stecken. Auch die Linkspartei PD von Regierungschef Matteo Renzi ist involviert, wie Telefonmitschnitte beweisen. Renzi hat bereits römische Parteispitzen entlassen.

In den abgehörten Telefonaten rühmten sich Mitglieder der Hauptstadtmafia, dass sie dank der lukrativen Aufträge mit Flüchtlingen und Asylanten Millionen von Euro jährlich umsetzen. „Wir haben mit einem Umsatz von 40 Millionen Euro abgeschlossen. Den Gewinn machen wir mit den Zigeunern, der Wohnungsnot und mit den Immigranten“, erklärte Salvatore Buzzi, der für die sozialen Kooperativen zuständig war am Telefon. Sein Fazit: „Die bringen mehr als Drogen“.

Erst haben Mitglieder mit ihren politischen Verbindungen also dafür gesorgt, dass die Stadt mehr Flüchtlinge aufnimmt. Dann haben sie sich die Aufträge für die Unterbringung gesichert. Besonders lukrativ sind dabei die Minderjährigen. Sie bringen 91 Euro am Tag – im Vergleich zu 38 Euro, die der Staat für Erwachsene zahlt.

Aber auch die Verpflegung in Gefängnissen gehörte zum Business der „Mafia Capitale“. Carminati sorgte dafür, dass befreundete Unternehmer die Aufträge bekamen. Und im Gegenzug zahlten sie 20 Prozent an den Boss.
Jetzt sitzt er erst einmal selbst im Gefängnis.




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5 Kommentare zu "Korruption in Italien: Die Winkelzüge der Mafia von Rom"

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  • Die EU ist doch eine Art Mafia nur halt größer.

  • Es werden 91 Euro für die Unterbringung eines jugendlichen Flüchtlings pro Tag gezahlt? Das ist eine gewaltige Summe bei der Menge an Flüchtlingen in Italien und den tatsächlichen Kosten in Heimen. Woher kommt das Geld? Italien ist hochverschuldet. Es würde mich nicht wundern, wenn das Geld aus der EU kommt und insbesondere Deutschland durch seinen Anteil am EU Haushalt einen großen Betrag der in den letzten Jahren erwirtschafteten Mafia-Gelder bezahlt hat.

  • In Deutschland das Gleiche, Schrott-Hotels gehen weg wie
    geschnittenes Brot.

  • Das ist doch nur der kümmerliche kleinkriminelle Rest, der so arbeitet und auftritt.

    Seit Jahrzehnten bereits ist die klassische Mafia aus Sizilien und USA in legalen Geschäften unterwegs und profitiert von und an allen Märkten - manipuliert oder auch nicht.

    Sie ist praktisch nicht mehr zu unterscheiden von regelechter Politik und Wirtschaft - oft ist sie längst Teil derselben, was auch die vielen unglaublichen Unzuträglichkeiten politischen und (finanz-)wirtschaftlichen Handelns erklärte.

  • Tja, bevor wir uns da über die Italiener aufregen, sollten wir uns den Handelsblattbericht über die Ärzteabrechnungen ins Gedächtnis rufen.

    Ich fände es auch gut, wenn man bei uns nachprüfen würde, wer mit Flüchtlingen wieviel Geld verdient. Eigentlich sollte man das veröffentlichen...

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