Korruption
Ohne Schmiergeld geht oft gar nichts

Korruption macht immer mehr Unternehmen das Geschäftsleben schwer. Zu diesem Ergebnis kommt die jüngste Studie der Anti-Korruptions-Organisation Transparency International (TI).

FRANKFURT. So gaben zwei von fünf befragten Managern an, schon einmal mit Schmiergeldforderungen konfrontiert worden zu sein. Jeder zweite ist der Meinung, dass ihm ein Geschäft entging, weil die Konkurrenz den Auftraggeber, meist Mitarbeiter der öffentlichen Hand, schmierte. Und jeder dritte Befragte schätzt, dass die Korruption steigt. Nach wie vor am häufigsten betroffen seien Schwellen- und Entwicklungsländer. So sollen laut TI korrupte Beamte und Politiker jedes Jahr zwischen 20 und 40 Mrd. Dollar kassieren. Das entspricht einem Betrag von etwa 20 bis 40 Prozent der jährlichen Entwicklungshilfe.

"Aber das ist nur die Spitze des Eisbergs", sagt TI-Geschäftsführer Christian Humborg. So listet der Report als Einfallstor für Korruption auch Kartelle auf, die viel zu selten aufflögen, den Verbraucher aber Milliarden kosteten. Nur jede sechste illegale Preisabsprache kommt laut Studie ans Licht. Doch allein die 283 Fälle, die zwischen 1990 und 2005 bekannt wurden, kosteten die Verbraucher durch überhöhte Preise rund 300 Mrd. Dollar.

Deutsche Unternehmen hätten zwar in Sachen Korruption aus dem Siemens-Skandal gelernt, doch sei zu befürchten, dass sie sich im Zuge der Krise mehr um volle Auftragsbücher denn um Korruptionsbekämpfung kümmerten. Das allerdings könnte sie teuer zu stehen kommen. Immer häufigen verhängen vor allem amerikanische Behörden saftige Strafen bei Lug und Trug und Korruption.

Schelte gab es für die Politik und das Konjunkturpaket II. Es setzt die Schwelle, ab der Projekte öffentlich ausgeschrieben werden müssen, herauf. "Kleine Kommunen müssen dann gar nicht mehr ausschreiben, das öffnet Tür und Tor für Korruption", moniert TI-Mann Humborg.

Deutschland gehört laut TI zudem zu den nur noch acht europäischen Staaten, die die Uno-Konvention gegen Korruption noch nicht umgesetzt haben - sechs Jahr nach Unterzeichnung. TI vermutet politische Gründe, denn die Konvention stellt das Schmieren von Abgeordneten unter Strafe. Höchste Zeit findet Humborg: "Die unzulässige Einflussnahme auf Politiker ist bisher viel zu sehr unter den Teppich gekehrt worden", sagt er. In Deutschland ist Abgeordnetenbestechung nicht strafbar.

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